Spoon – Live im Astra, Berlin

Gemachte, urbane Mittvierziger im Berliner Astra sich ansammeln zu sehen, hat etwas Merkwürdiges. Sonst tobt hier, dem RAW-Gelände an der Revaler Straße, nur das äußerst junge, easy-jettende Partyvolk an einem der Party-Hotspots Berlins – mit Berliner Humor nicht unzutreffend auch „Technostrich“ genannt.

Aber Spoon, die Band, die sich heimlich, still und leise seit Mitte der Neunziger peu à peu zur besten Indie-Rock-Band ohne Hype mauserte, hatte geladen.

Zunächst an neuer – und gar nicht Kreuzberger – wiedereröffneter Stelle, dem Festsaal Kreuzberg, aber der wurde schnell zu klein, also ab ins Rock-Show-gewöhnte Astra.

Dort freute sich Britt Daniel und sein Quartett sichtlich über ihre „biggest crowd in Berlin by far“. Nach 25-jährigem Bandbestehen sind das mal wahrlich späte Lorbeeren.

Der Abend wurde ein souveräner Triumphzug, fast schon nicht anders zu erwarten bei den Alles-Richtig-Machern aus der Indie-Musik-Stadt Austin. Unangestrengt dominant rockten Spoon ein Set herunter, das all ihre Erfahrung widerspiegelte, ohne langweilig routiniert zu sein.

Es hat Spaß gemacht, in diesem Meer aus Mittvierzigern, und einigen jungen Auskennern, sich dem Groove dieser junggebliebenen fünf Herrschaften hinzugeben.

Erfahrung ist doch die eine Eigenschaft, die den irreversiblen Verlust alles Jungendlichen in tröstender Weise wettzumachen versteht. Vermag man so zu altern wie Spoon, ist alles im Lot.

Leichter gesagt als getan, aber mit einem derartigen Oeuvre in der Tasche scheinbar kein Problem. Was war das gestern Abend für eine Werksschau? 5 x „Hot Thoughts“, das neue, wie immer formidable Album aus diesem Jahr, aber auch 4 x „They Want My Soul“, 3 x „Ga Ga Ga Ga Ga“, 3 x „Gimme Fiction“, dazu Einzelnes aus „Transference“, „Girls Can Tell“ und „Kill The Moonlight“.

Spoon und ihre simplen, dennoch unwiderstehlich zwingenden Rocksongs waren live genau das, was man sich von ihnen erwarten durfte: souverän stark.

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