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This Is The Kit (Credit Florian Duboé)

This Is The Kit – Moonshine Freeze – Being Joni Mitchell

Das vierte Album von Kate Stables könnte von der Leichtigkeit des Seins handeln – wenn sie nicht so schwer wäre. Die Britin, die wahlweise in Bristol oder Paris lebt, und ursprünglich aus dem englischen Winchester stammt, hat mit „Moonshine Freeze“ ein Songwriter-Album aufgenommen, das der Konkurrenz entschwebt, weil es mit Wollust den Boden der Tatsachen streift.

Unter dem Banner This Is The Kit versuchte sich Stables schon eine ganze Weile am folkloristischen Minimalismus. So formvollendet wie auf „Moonshine Freeze“ hat sie aber nie geklungen.

Das mag durchaus der fachkundigen Unterstützung von PJ Harvey-Produzent John Parish und The National-Gitarrist Aaron Dessner geschuldet sein.

Letztlich ist es aber nur sie und ihr Banjo, die den Opener „Bullet Proof“ tatsächlich zu so etwas wie einem kugelsicheren Umhang gegen den Alltag machen. „Bullet proof/ they never loved you/ you let too many bullets through.“

Die zweckdienlichen Percussions und hübschen Streicher sind die Zierde, wenn sie singt wie Joni Mitchell, frohlockt wie Tracy Chapman und erzählt wie Laura Marling. „Moonshine Freeze“ lässt sich dann auch beinahe in eine Reihe mit Marlings aktueller Platte „Semper Femina“ stellen. Stables hat ihrem Werk nur das Entscheidende Müh Sturm und Drang mitgegeben.

Die Bläser und der Männerchor in „Hotter Colder“ ziehen nicht nur das Tempo an, sondern auch die Stimmung hoch. Ganz nach einem der aktuellen Demonstrations-Mottos: ‚Lieber tanz ich, als G20‘. Nicht nur deshalb wehrt sich „Moonshine Freeze“ mit jeder Faser seiner feinsinnigen Kompositionen gegen die Etikette des lieblichen Hintergrundrauschens.

Mehr noch: Die Anklage formuliert Stables gerade dann am deutlichsten, wenn abseits von mehrstimmigem Gesang nur dezentes Banjo-Picking drum herum schleicht.

„People want blood and blood is wath/ It’s what the’ve got/ It’s what they’ve got“ heißt es in „Easy On The Thieves“ – einem der stärksten Stücke der Platte. Das hat schon beinahe die Klasse von Sufjan Stevens „Carrie & Lowell“. Verschleiert und schemenhaft und zugleich von einer Direktheit, die den meisten Polit-Punks noch was vormachen kann.

Mit „Moonshine Freeze“ bringt This Is The Kit der Schwermut das Fliegen bei. Und Kate Stables empfiehlt sich mal eben für die Hauptrolle einer gedachten Fortsetzung von „Being John Malkovich“. Drehbuchautor Charlie Kaufman müsste den Film einfach „Being Joni Mitchell“ taufen.

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