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Cold Specks (Credit Neva Wireko)

Cold Specks – Fool’s Paradise

Jawohl, ja. Cold Specks wagt die Veränderung und gewinnt. Die Somali-Kanadierin, mit bürgerlichen Namen Lalan Hussein, hatte ihren eigenen Musikstempel selbst mit aufgebaut, als sie ihren schwer rubrizierbaren Sound zwischen schwerem Blues, sakralem Gospel und tränenvollem Soul mehrfach in den ersten relevanten Presseinterviews vorschlagshalber Doom-Soul taufte.

Die Doom-Soul-Lady aus Toronto war sie fortan. Coole Herzschmerzmusik und ‚Under the radar‘. Für Nachtfalken. Was „I Predict A Greatful Expulsion“ und „Neuroplasticity“ von 2012 und 2014 beherrschten, war eine genuine Bluesigkeit, die sich stark ins Maskuline rüberlehnte.

Schepperndes Schlagzeug, schleppender Takt, stoische Melodieschnipsel, noch zumeist aus Gitarren, gepaart mit ihrer famosen, voluminösen Stimme: Das war Cold Specks. Eine Einsame, die ihren Weg abseits des Mainstream geht, mit viel Kritikerlob und eher wenig finanziellem Ertrag.

Freilich, ihre stimmliche Präsenz ist geblieben – diese wird immer ihr Markenzeichen bleiben. Aber kantigen, spröden Doom-Soul gibt es so nicht mehr auf „Fool’s Paradise“. Die Verletzlichkeit, das Zarte hat Einzug gehalten im Songwriting von Lalan Hussein.

Dafür weichen musste so gut wie jeder Gitarrengebrauch. Cold Specks‘ drittes Album lebt von Synthie-Sounds. Und die sind von je her tendenziell weicher.

Ein ganzes Stück femininer ausgelegt, liegt der Fokus noch stärker auf Husseins stimmlichem Repertoire. Gedoppelt, im Kanon mit sich selbst, aus dem Off, im Dauerloop: „Fool’s Paradise“, mehr noch als ihre Vorgänger, ist ein Gesangsmanifest. Eine starke Stimme für die Liebe und das, was sie in uns bewirkt.

Damit trägt sie einer Entwicklung nur Rechnung, die live immer stärkere Ausarbeitung findet. Lange Passagen reinen A Cappellas sind inzwischen Standard in einem Cold-Specks-Konzert. Für wen sich das langweilig liest, dem seien Gänsehaut und abstehende Armbehaarung garantiert.

Cold Specks ist mit ihrem dritten Album also eher zum Gospel und zu ihrer eigenen Femininität gekommen, als zu etwas, das man hilflos irgendwie mit Doom oder Goth etikettieren müsste. Jawohl, ja.

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