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Grandbrothers – Open

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Wenn klassische Orchester sich an zeitgenössischer Musik ausprobieren, wird das durchgehend positiv aufgenommen. Zum einen, weil sich das verdammt gut anhört. Zum anderen, weil sich darin der Versuch zeigt, Hochkultur und Populärkultur zusammenzubringen und zu beweisen, dass sich die beiden Bereiche gar nicht so grundlegend unterscheiden, wie man vielleicht denken könnte.

Daraus hat sich in den letzten Jahren ein richtiger Trend entwickelt, in dessen Rahmen vor allem Hip-Hop-Klassiker mit Vorliebe zum Besten gegeben werden.

Den Ansatz, Klassik und Moderne auf musikalischer Ebene zusammenzubringen, verfolgen auch die Grandbrothers, die mit ihrem 2015 erschienenen Debütalbum „Dilation“ einen großen Erfolg feierten. Die Art und Weise, in der die beiden Jungs aus Düsseldorf dieses ambitionierte Vorhaben umsetzen, unterscheidet sich jedoch grundlegend von der eingangs erwähnten Hip-Hop-Manie einiger Orchester und wirkt auf ihrer zweiten Platte „Open“ noch ausgereifter als zuvor.

Erol Sarp und Lukas Vogel geben die eine Musikrichtung nicht im Klangkostüm der anderen wieder, sondern lassen beide miteinander zu einem ganz eigenen Genre verschmelzen. Ihre Musik lässt sich am besten als moderne Klavier-Elektro-Symbiose mit stark experimentellem Charakter und einer Prise Yann Tiersen beschreiben.

Das Instrumentarium, das die Grandbrothers für ihre ungewöhnlichen Klangkonstruktionen nutzen, ist eine kleine Wundermaschine und sieht wahrhaft abenteuerlich aus: Der Konzertflügel, an dem der gelernte Jazzmusiker Erol Sarp sitzt, ist mit kleinen Hämmern versehen, die mit zahlreichen Kabeln an einen Laptop angeschlossen sind und über Regler von Lukas Vogel gesteuert werden.

In dieser futuristisch anmutenden Konstruktion manifestiert sich der Anspruch der beiden, musikalische Grenzen nicht nur zu überwinden, sondern komplett einzureißen. Nachdem die Grandbrothers mit der Verwandlung des Flügels fertig sind, handelt es sich nicht mehr um ein klassisches Musikinstrument, sondern um etwas völlig Neuartiges – lebendig und maschinell zugleich. Die Klänge des Klaviers werden nicht durch Synthesizer verzerrt oder überlagert, sondern um teils analoge, teils digitale Klänge ergänzt.

Bereits die erste Single-Auskopplung „Bloodflow“ ließ erahnen, dass die Chancen ziemlich günstig stehen, dass „Open“ mindestens so gut, wenn nicht noch besser als das Debüt des Duos werden wird:

Der Song beginnt mit einer unheilvollen Abfolge hoher Töne, begleitet von einem schnellen Ticken, deren Zusammenspiel etwas seltsam Mechanisches hat. Das Einsetzen des Klaviers steigert die ohnehin schon bestehende Spannung und wird schließlich durch eine stärkere Präsenz elektronischer Sounds ergänzt, die dem Stück eine dramatische Getriebenheit verleihen.

Die 10 Songs, die die Grandbrothers für „Open“ kreiert haben, sind derart spannungsgeladen, dass auch Instrumental-Skeptiker gezwungen sind, ihren Hut zu ziehen. Denn der Verzicht auf Gesang ist alles andere als ein Mangel. Er bietet den Zuhörer*innen vielmehr den Raum, die vielschichtigen Melodien in Ruhe zu entdecken und sich eigene Geschichten dazu auszudenken. Man wird beim Hören nicht von vermeintlich bedeutungsvollen Lyrics gebremst, sondern kann sich in seinen Assoziationen frei von den Klängen lenken lassen.

Der gleichberechtigte Mix aus Klassik und Elektro hat in „Open“ eine wunderbare Balance erreicht. Die Grandbrothers haben ein feineres Gespür für Nuancen entwickelt, sich stärker an ihrem Experimentierkasten bedient und damit einen würdigen Nachfolger für ihr erstes Album abgeliefert.

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