Es soll Menschen geben, die bei Joan Wasser an die Alternativ-Version von Adele denken. Nicht ganz falsch. Wir haben es hier meistens mit Soul-Pop zu tun. Mit dem feinen Unterschied, dass Joan As Police Woman eine Violinistin ist, die stimmlich nie erste Geige spielen will. Ihr Stil wirkt unprätentiös und elegant.

Das beweist auch ihr neues Werk, auf dem sich die Wahl-New Yorkerin auf den ersten Höreindruck etwas zurückhaltender präsentiert als zuletzt mit Multiinstrumentalist Benjamin Lazar Davis. Tatsächlich könnte “Damned Devotion” ihr bis dato reifstes Studioalbum sein, da es im Detail ein breites Klangspektrum abtastet.

“Warning Bell” ist eine warme Klavierballade, der Opener “Wonderful” hingegen filigraner Elektro-Pop. “Silly Me” spielt sogar mit leichten Afrobeat-Elementen, während “Talk about it later” Streicher in Grammophon-Qualität rausholt, auf die pechschwarzen Klaviertasten haut und Drummer Parker Kindred zu jazzigen Rhythmen anspornt.

Logisch, im Vergleich zum Frühwerk von Joan wirkt die ‘verdammte Versuchung’ schüchtern, eher minimalistisch. Und doch steckt in Stücken wie “The Silence” unfassbar viel Dramaturgie. Verschachtelte Beats werden im Mittelteil von einer kratzigen E-Gitarre durchgesägt.

Davor erklang in diesem selbstermächtigenden Protestsong ein Frauenchor. Joan hat den auf dem Women‘s March in Washington aufgenommen. “My body, my choice, her body, her choice” lautet die eindeutige Message. Der eine gewisse Typ, der davon nicht viel hält und unverbesserlicher Abtreibungsgegner ist, wird aber nicht explizit genannt.

Stücke wie der clevere Halb-Falsettpop “Tell Me” klingen dann wieder entspannter, kaum kämpferisch. Klar, diese Kopfstimme hat Köpfchen. Nur Ausrasten hört man Joan nie.

Das kann man als leidenschaftslos abwerten. Oder einfach als konzentriert einstufen. Obwohl die Gefahr doch so nah ist, “Damned Devotion” eine leise Bedrohlichkeit durchzieht. So heißt es etwa in der aktuellen, an Feist erinnernden Single: “If there was a warning bell, I’d know. But all I hear is music, soft and low.”

Gut, dass ihre eigene Musik da noch abwechslungsreicher klingt. Und mal so gar nicht nach Adele.

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