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Poliça And stargaze – Music For The Long Emergency

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Die US-Artpopper Poliça kollaborieren mit dem Berliner Kammerensemble Stargaze. Dabei entsteht etwas, das auch den Titel „Poliça Stargaze And The Spiders From Mars“ tragen könnte.

Poliças Debüt „Give You The Ghost“ war das überbordende Experiment mit dem Autotune-Plugin, das zweite, „Shulamith“, die an den richtigen Stellen ausgedünnte Version des ersten, und somit gefestigte Marke. „United Crushers“ an dritter Stelle war dann endlich das Album mit den Hits.

Alle drei Platten haben Türen in die Popwelt aufgestoßen, für die sowohl Hersteller als auch Endverbraucher von Autotune nicht mal wussten, dass es dafür Schlüssel gibt.

„Music For The Long Emergency“ leuchtet jetzt kraftvoll hinter dieser Tür hervor, ist ein bisschen von allen drei Vorgängern und wird durch das Zutun von Stargaze regelrecht gespenstisch und bisweilen extraterrestrisch.

Dazu braucht es nur die beiden zehnminütigen Schlusssongs – „How Is This Happening“ und den finalen Titeltrack. Das ist vielschichtig, komplex, langwierig. In diesen beiden Songs steht das Songwriting einem apokalyptischen Filmscore näher als „Lime Habbit“. Die Thematik macht den Ton: „I’ll fight until my days are done / Protect the ones he prays upon“.

„Music For The Long Emergency“ ist folglich auch ein Versprechen. Es braucht Zeit, bis die Wunden heilen, bis die Musik wirkt.

Der Opener „Fake Like“ mag eine Ausnahme sein. Pur, folkloristisch und so gar nicht over-euqalized, Sängerin Channy Leaneagh hat schließlich auch ohne Autotune eine überaus reizende Stimme und vor allem die richtigen Melodien.

Poliça wissen ihre Mittel und Markenzeichen pointierter einzusetzen, das hat schon auf „United Crusher“ gefruchtet. Die irre guten Schlagzeuger Drew Christopherson und Ben Ivascu hauen nicht immer ihre Tribal-Beats übereinander.

Aber irre gut, wenn sie es wie in „Marrow“ dann doch wieder tun, und Channy Leaneagh auf politischen Angriff schaltet. Irre gut auch der luzide Artpop von „Speaking Of Ghosts“, den David Bowie für „Blackstar“ ganz sicher noch mitgenommen hätte, gerade wegen der jazzig-abgründigen Arrangements von Stargaze.

Wegen der Berliner gibt es logischer Weise mehr Streicher und Bläser als je zuvor: In „Agree“ sind sie noch melancholisch-süß, in „Cursed“ schon toxisch. Leaneagh taucht ihre Pfeilspitzen ein und feuert los. Das Nervenkostüm der Bourgeoisie wird hier unbarmherziger attackiert als bei M.I.A.

Würde der elektrifizierte, kammermusikalische Artpop dieser Kooperation die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient und an richtiger Stelle gewürdigt, hätten Bon Iver oder Robin Pecknold von Fleet Foxes keinerlei Gründe, sich über die gottverdammten Grammys zu echauffieren.

Dass das passieren wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn „Music For The Long Emergency“ bedeutet, dass man sie nicht häppchenweise beim Drive-In bekommen kann. Ziggy Stardust war dort auch nie zu haben.

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