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Dillon – Live im Mojo Club, Hamburg

Nach drei Touren das erste Mal unbestuhlt – der Wunsch scheint wahr zu werden. Electronics, Mini E-Drumkit und Dillons obligatorisches Stage-Klavier. Weder Chor noch Bläser. Zurück von der Kunst-Inszenierung zum Konzert?

Viel Nebel, sehr dunkel, pinke Strahler von hinten. Dillon gewohnt versteckt. Diesmal nicht durch Entfernung, sondern durch Gegenlicht. Das Konzept der Platte auf die Bühne übertragen. „Kind“ eröffnet, die erste hörbare Stimme wieder Dirk von Lowtzow.

Bei „Stem & Leaf“ beginnt sie, sich sachte zu zeigen. Weite, übergroße Lackhos. Und sind das immer die gleichen roten Stiefel? Elektronisch wummert es harmonisch in die Menge. Die Bläser vom Band fast bombastisch anmutend.

„Shades Fade“, Dillon bleibt der Reihenfolge der Aufnahme treu. Ihre Stimme hat etwas Brüchiges, Kratziges. Der Bassdruck so stark, dass die Hose flattert. Trotzdem keine unangenehme Lautstärke. Latent hört man Gläser und Gespräche von der Bar.

Gewohnt staksig anmutendes Tanzen. Die Armbewegungen erinnern an einen Roboter mit Krallen.

Mit „From One to…“ verlassen wir den Lauf von „Kind“. Es wird treibender, das Publikum beginnt, sich leicht zu bewegen.

Die Stimme zerbrechlich. Ein Widerspruch zum energetischen Beat. Massivste Strobes von hinten lassen einen erblinden.

Weiter mit immer mehr alten Tracks. Am Ende ist mehr als die Hälfte des Gigs von den beiden alten Scheiben. Das ist wirklich mehr „normales“ Konzert als konzeptionierte Veranstaltung. Lange Pausen zwischen den Stücken in kompletter Dunkelheit lassen jedem Track seinen eigenen Raum.

„Thirteen Thirtyfive“ entlockt intensiven Applaus, die Stimmung steigt. Auch auf der Bühne. Dillon wird lockerer, ihr Tanz intensiver und repräsentiert mehr die Musik.

Obwohl die Stücke kräftiger werden, sie leben von den ruhigen Stellen zwischen den Beats. Die Stimme gezielt als Instrument eingesetzt. Mal kratzig und verraucht, dann wieder hell und glasklar.

Ab „Silence Kills“ ist sie voll dabei, räumt rigoros die Bühne frei. Das Grinsen schon fast ein Strahlen. Die blendende Beleuchtung von hinten wird Programm. Selbst mit geschlossenen Augen bleibt es taghell.

Bei der ersten ruhigen Stelle von „The Unknown“ bricht sie ab. Ein Ausbruch über die Unhöflichkeit der lauten Unterhaltungen; frenetischer Applaus. Sie kann sich fast nicht mehr bremsen, „Ich meine es ernst, geht nach Hause“. Die ruhigen Stellen ab jetzt ohne einen Mucks aus dem Hintergrund.

Dem Konzept der Platte treu beschließt das exzessive „2. Kind“ den Auftritt, jetzt tanzen in der Tat die meisten.

Zur Zugabe ein neues Stück und abschließend „Abrupt Clarity“. „The closer I got, the less I could feel, the louder it got, the more it seemed real“.

Dillon hat sich seit dem Debut 2011 massiv weiterentwickelt. Das Jugendliche verdrängt durch ernsthafte Tiefe. Am Intensivsten zu erleben bei diesem gefühlt endlosen, saugenden Loop.

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