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Jamie Lawson – Live im Gruenspan, Hamburg

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Eine lange Schlange bildet sich an diesem Abend vorm Grünspan in Hamburg. Junge Paare, alte Paare, aber größtenteils Paare stellen sich auf dem Bürgersteig hinten an am langen Menschenfluss, den es unaufhaltsam in die ausverkaufte Konzerthalle zieht. Einen Tag vor Frühlingsbeginn wirkt die Menge an Jacken und Mützen fast abstrakt. Aber tatsächlich friert es fast, was die Menge nur noch schneller in die Konzertlocation unweit der Reeperbahn strömen lässt.

Den Abend eröffnen darf Henrik. Nur mit einer Gitarre und seiner Stimme versucht er, in einem ruhigen Sound das Publikum aufzuwärmen. Dabei scheitert er leider an zwei Dingen. Einerseits wirkt er nicht wie der geborene Frontmann und schafft es in kurzen, stimmlich gedämpften, Ansagen nicht, die Aufmerksamkeit des Publikums so wirklich auf sich zu lenken.

Wo wir gleich beim zweiten Faktor wären, dem Publikum. Während ganz vorne einige Zuschauer wirklich zuschauen, hält ein gewisses Grundmurmeln im hinteren Drittel der kleinen Halle hartnäckig gegen den zurückhaltenden Gesang Henriks an. Die Begeisterung für die Akustik-Performance von Henrik, der sich alle Mühe gibt, seine, musikalisch wohl eher für einen kleineren Rahmen geeigneten Songs, möglichst selbstbewusst zu präsentieren, hält sich in Grenzen und äußert sich höchstens in Anstandsapplaus.

Mitgesungen wird trotzdem kurz, als Henrik „Take On Me“ von a-ha anstimmt und dem Publikum die ikonische Wiederholung im Refrain überlässt. Die hohe Note singt er nicht und auch sonst geht Henrik bei seinem kurzen Auftritt nicht genug Risiko ein, um vielen im Gedächtnis zu bleiben.

Jedenfalls die mangelnden Frontmann-Qualitäten lassen sich dann erklären, als Jamie Lawson samt Band die Bühne betritt und mittig an seinem Mikrofon angelangt. Henrik ist sein Bassist und scheint sich in dieser Rolle spürbar wohler zu fühlen.

Jamie Lawson hingegen tritt mit einem breiten Lächeln auf und wird von lautem Applaus begrüßt. Der Brite, der erst mit seinem vierten Album den großen Durchbruch schaffte und so als Gegenentwurf zu den vielen jungen Singer-Songwritern den Beweis anstellte, dass Durchhaltevermögen sich durchaus auszahlen kann, eröffnet sein Set mit „Miracle Of Love“ und „Don’t Say You Don’t If You Do“. Das erinnert melodisch stark an Elton Johns „Sorry Seems To Be The Hardest Word“ und bietet einen angenehmen Einstieg.

„Cold In Ohio“ darf als dritter Track die Eröffnung des Abends antreten und könnte kaum passender sein. Erlöst von der Eiseskälte vor den Türen des Grünspans finden die zumeist nicht allein angereisten Fans die Wärme in der Nähe wieder, liegen sich fast durchs ganze Konzert hindurch verliebt in den Armen.

Ironisch, oder jedenfalls nicht ganz ernst, spricht Lawson mehrfach sein Bedauern über die schlechten Verkaufszahlen seines zweiten Albums „The Pull Of The Moon“ (2010) aus, von welchem er trotz alledem „The Touch Of Your Hand“ und „A Darkness“ in seine Setlist aufgenommen hat.

Diesen Songs sei dank fällt aber auch die riesige dynamische, rhythmische und melodische Kluft auf, die zwischen Lawsons älteren Songs und seinem neuesten Album „Happy Accidents“ besteht. Nicht unbedingt qualitativ, aber jedenfalls in ihrer Radiotauglichkeit ist der große Unterschied dieser zwei Ären Lawsons deutlich erkennbar.

Während „Time On My Hands“, „Fall Into Me“ und „He’s Reading Helena“ live eine Energie entfalten, an deren Konzeption Lawsons neuer Labelchef Ed Sheeran wohl nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte, entwickeln einige der älteren Lieder eine nicht uncharmante, aber auf Dauer etwas einheitliche Country-Atmosphäre, die das ohnehin schon sehr lange Set noch etwas länger wirken lässt.

An traurigen, wunderschönen, witzigen und zudem sehr authentischen Anekdoten mangelt es Lawson an diesem Montagabend nicht. So erzählt er die Geschichte des Liedes „The Only Conclusion“, einem Song, der auf einem Zitat Sheldon Coopers aus The Big Bang Theory basiert. Das Publikum lacht und liegt sich in den Armen.

Lawson erzählt die herzzereißende Geschichte hinter „Sing To The River“, in der ein junger Jamie nach dem Verlust seines Vaters in nichts anderem Sinn findet, als einem Fluss seinen Schmerz in Form von Gesang zu offenbaren. Vielleicht in der unterbewussten Hoffnung, die Trauer würde mit dem Strom des Flusses auch von ihm weggetragen. Das Publikum weint und liegt sich in den Armen.

Und so geht der Abend auch zu Ende. Der große Hit „Wasn’t Expecting That“ darf natürlich nicht fehlen und sogar das reguläre Set abschließen. Das Publikum liegt sich dabei wieder oder immer noch in den Armen, wie sollte es anders sein und bewegt sich nach einem euphorischen Abschluss der Zugabe mit „A Little Mercy“ langsam wieder nach draußen in die Frühlingskälte Hamburgs.

Während des Konzerts haben vereinzelte Schneeflocken auf der Großen Freiheit Platz genommen. Die Gesichter verstecken sich wieder in ihren Kapuzen und lassen jetzt schon erkennen, dass sie die Wärme dieses Abends gut gebrauchen konnten und schmerzlich vermissen werden.

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