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The Vaccines (Credit Jesse John Jenkins)

The Vaccines – Combat Sports – Drama, Drama, Drama

Mit einem Auto durch eine Arena brettern. Was nach einem längst erfundenen TV-Format klingt, ist die – zugegeben etwas schwammige – Metapher, die „Combat Sports“ von The Vaccines fast beschreibt.

Klagend melancholischer Gesang mit mächtig Hall und poppiger Gitarrenepik scheinen wie gemacht dafür, große Hallen zu füllen, ohne dabei an Roadtrip-Romantik einbüßen zu müssen. Aber wozu ist es schon ein Album, wenn man nicht von vorn anfängt.

„Put It On A T-Shirt“. Die Londoner Band nimmt den ersten Imperativ ihres Albums ernst und lässt ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Combat Sports“ das Albumcover zieren. Musikalisch markiert der Song den Einsteig in eine Fernreise durch den Gitarren-Pop.

„I Can’t Quit“ liefert die Hymne, die aus den Silben „Whoo“ und „Hoo“ euphorische Untermalungen theatralischen Gitarrenspiels macht. Nicht unpassend, denn The Vaccines gehören in das große Theater, nicht in kleine Clubs.

Ambitioniert inszeniert kommen so auch „Nightclub“ und „Surfing In The Sky“ als großflächig angelegte Stadionbeschallung in Frage, die sich ihrer eigenen Wirkung bewusst ist.

Der in „Take It Easy“ angedeutete Konflikt macht sympathisch, was sonst etwas simpel gewirkt hätte, relativiert den Macho-Sound zu einem gewollt möglichst eindrucksvollen Auftritt, Theater eben. Drama mit Skript und ironischer Moral und einer großen Menge Pop.

Aber was wäre Pop ohne ein wenig Kitsch? Nichts, denken sich wohl auch The Vaccines und lassen mit „Your Love Is My Favourite Band“ nicht nur im Titel eine Hommage an den 80er-Pop auf die Zuhörer los, die, ganz abhängig vom Alter, wohl entweder an die Flippers oder die Blossoms denken müssen, ehe sich der gewohnte Rhythmus der Vaccines einstellt.

Ein Rhythmus, zu dem immer wieder tendiert wird. Ausreißer gibt es, „Young American“ zum Beispiel, die vom hoch angelegten Grundtempo von „Combat Sports“ abweichen und im relativ kurzen Album kürzere Verschnaufpausen liefern. Pausen, die Pete Robertson, dem Drummer der Band, ebenso wie dem Zuhörer gewidmet sein dürften, darf er doch an dieser Stelle einmal damit aufhören, die Band Hi-Hat schlagend anzutreiben.

Macht „Combat Sports“ irgendetwas großartig anders, als die Vorgänger „What Did You Expect From The Vaccines?„, „Come Of Age“ und „English Graffiti„? Ne, Justin Young croont sich weiter fröhlich durch die stilistisch etwas monotone Tracklist, während sich die Band schon am antizipierten Publikum abarbeitet.

Man kann’s langweilig finden, man kann’s auch Erfahrung nennen.

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