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So funktionieren wir als Band nicht – The Coral im Interview

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Als The Coral Anfang der 2000er Alben wie „Magic And Medicine“ und „The Invisible Invasion“ veröffentlichten, wurden sie zur Welle der britischen Indie- und Post-Punk-Bands wie Arctic Monkeys, Franz Ferdinand und Kaiser Chiefs gezählt. Doch so wirklich passte die Band um die beiden Brüder James und Ian Skelly nie in diese Schublade, denn während sich ihre Altersgenossen vor allem an der Gitarrenmusik der 80er orientierten, interessierten sich The Coral für den Folk- und Psychedelic-Rock der 60er und 70er.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Quintett aus Hoylake viele dieser Bands der Nullerjahre überlebt hat und mit „Move Through The Dawn“ heute sein mittlerweile neuntes Studioalbum veröffentlicht. Zwar gönnten sich The Coral 2010 eine fünfjährige Pause, doch selbst in dieser Zeit veröffentlichten sie mit „The Curse Of Love“ ein „lost album“ mit bislang unveröffentlichtem Material aus den Jahren 2005 bis 2007.

Im Interview erzählt uns Keyboarder und Multiinstrumentalist Nick Power, warum die fünf Mitglieder der Band auf dem Artwork zu „Move Through The Dawn“ wie Urlauber aussehen, weshalb The Coral ein komplettes Album verworfen haben und wieso das neue Album nicht so cool wie der Vorgänger klingt.

MusikBlog: Als ich zum ersten Mal das neonfarbene Artwork von „Move Through The Dawn“ gesehen habe, habe ich mit einem ganz anderen Sound gerechnet: mehr Synthesizer und pulsierende elektronische Klänge. Möchtet ihr die Hörer mit dem Artwork in die Irre führen?

Nick Power: Das Artwork soll an billige japanische Bootlegs aus den 80ern erinnern. Manchmal entdeckt man in Plattenläden noch diese alten Bootlegs bekannter Bands, die sehr seltsam aussehen und meistens furchtbar klingen, weil sie irgend jemand illegal und möglichst kostengünstig hergestellt hat. Diesen Look wollten wir nachstellen, weil wir alle leidenschaftliche Plattensammler sind und eine Menge solcher Bootlegs besitzen.

MusikBlog: Also siehst du keinen Gegensatz zwischen dem warmen, analogen Folkrock-Sound des Albums und den grellen Neonfarben des Artworks?

Nick Power: Doch, den sehe ich durchaus. Aber man sollte das Albumcover auch nicht zu ernst nehmen. Es ist ein Witz, der uns zum Lachen brachte. Deshalb haben wir uns für dieses Artwork entschieden.

MusikBlog: Auf dem Albumcover und auf den Pressefotos zu „Move Through The Dawn“ tragt ihr Sonnenbrillen, -hüte und Hawaiihemden, seht aus wie Touristen im Sommerurlaub. Ist „Move Through The Dawn“ also euer unbeschwertes Sommeralbum?

Nick Power: Wenn man es mit dem düsteren Vorgänger vergleicht, ist „Move Through The Dawn“ auf jeden Fall das genaue Gegenteil, also sonnig, unbeschwert und unschuldig. Es wäre leicht gewesen, nach „Distance Inbetween“ noch einmal dasselbe Album aufzunehmen und beinahe hätten wir genau das getan. Wir haben ein komplettes Album verworfen, weil es „Distance Inbetween“ zu ähnlich war und haben stattdessen versucht, in die genau entgegengesetzte Richtung zu gehen. Das Ergebnis davon ist „Move Through The Dawn“.

MusikBlog: Ist das auch die Idee des Albumtitels, dass dieses Album der Sonnenaufgang nach dem düsteren Vorgänger ist?

Nick Power: Genau, wir haben den Albumtitel erst gewählt, als das Album ansonsten schon komplett fertig war. Deshalb fängt er die Stimmung des Albums sehr gut ein.

MusikBlog: Aber nicht nur die Musik auf „Move Through The Dawn“ klingt unbeschwert, Zeilen wie „All my troubles seem so far away“ oder „Won’t you take me away to that innocent place“ verstärken diesen Eindruck. Betreibt ihr hier Eskapismus?

Nick Power: Ich würde das gar nicht auf dieses Album beschränken, die Musik unserer Band ist schon immer eskapistisch gewesen, unsere besten Songs handeln von naiven Gefühlen und unbeschwerten Momenten.

MusikBlog: Also ist „Move Through The Dawn“ keine Reaktion auf die angespannte politische Lage in Großbritannien und dem Rest der Welt?

Nick Power: Überhaupt nicht, so funktionieren wir als Band nicht. Obwohl ich Musik mit politischen oder gesellschaftskritischen Inhalten gerne mag, liegen uns solche Songs leider nicht. Natürlich könnte man diese Flucht aus dem Alltag in unserer Musik als eine Reaktion auf politische Ereignisse interpretieren, aber das entspräche nicht der Wahrheit. Die ist nämlich viel einfacher: Wir machen eskapistische Musik, weil wir genau das gut können.

MusikBlog: Du hast erzählt, dass ihr mit „Move Through The Dawn“ das Gegenteil von „Distance Inbetween“ aufnehmen wolltet. Wisst ihr immer schon vorab, wie das fertige Album klingen soll?

Nick Power: Nicht immer, aber dieses Mal war uns das schnell klar, weil uns der verworfene Versuch so gelangweilt hat. Natürlich wäre es leicht gewesen, noch einmal ein ähnliches Album wie „Distance Inbetween“ aufzunehmen, aber daran hätten wir keinen Spaß gehabt. Vielleicht ist der neue Sound nicht so cool und komplex wie auf dem Vorgänger, die Single „Reaching Out For A Friend“ ist zum Beispiel sehr poppig und melodiös. Aber dafür erreicht man mit solchen Songs mehr Menschen, weil sie die Melodien nach dem ersten Hören sofort im Ohr haben und vor sich hin pfeifen. Das hätte mit keinem Song auf „Distance Inbetween“ funktioniert.

MusikBlog: Was hat den Vorgänger denn cooler gemacht?

Nick Power: Auf „Distance Inbetween“ ging es um Grooves und Rhythmen, weniger um klassische Songstrukturen und Melodien. Mir persönlich gefällt der Sound des letzten Albums etwas besser, aber das heißt nicht, dass ich lieber ein weiteres Album in diesem Stil aufgenommen hätte. Doch das meine ich, wenn ich davon spreche, dass unser neues Album vielleicht weniger cool ist. Es hätte sich wie ein Betrug an unseren Fans angefühlt, noch einmal dasselbe Album zu veröffentlichen. Es wäre zu einfach gewesen.

MusikBlog: War es eine kurzfristige Entscheidung, das erste Album zu verwerfen?

Nick Power: Ungefähr sechs Monate vor unserem Aufnahmetermin haben wir uns dazu entschlossen. Wir haben die zweite Version also in sechs Monaten geschrieben, wobei auf „Move Through The Dawn“ auch ein paar ältere Songs sind, die aufgrund ihrer Stimmung nicht zu den letzten Alben gepasst haben.

MusikBlog: Vor „Distance Inbetween“ habt ihr eine fünfjährige Auszeit genommen. Fühlt es sich nach dieser Pause anders an, mit The Coral aufzutreten und aufzunehmen?

Nick Power: Wir haben mit Paul Molloy ein neues Bandmitglied hinzugewonnen, alleine dadurch hat sich natürlich viel verändert. Außerdem gehen wir fokussierter vor, wenn wir an neuer Musik arbeiten. In der Vergangenheit haben wir oft versucht, jede unserer Ideen auf ein Album zu packen, was häufig im Chaos geendet ist. Heute achten wir stärker darauf, dass am Ende ein stimmiges und kohärentes Album dabei herauskommt.

MusikBlog: Als Grund für die Bandpause habt ihr 2010 einen Mangel an Energie und Enthusiasmus genannt, nachdem ihr sechs Alben in nur acht Jahren veröffentlicht habt. Wollt ihr es nun langsamer angehen?

Nick Power: Eigentlich schon, aber irgendwie kommt es dann doch immer anders. Denn nachdem man ein Album aufgenommen hat, dauert es noch Monate, bis es wirklich erscheint. In dieser Zeit haben wir meistens schon begonnen, an neuen Songs zu arbeiten. Einfach aus Langweile. Wenn ein Album erscheint, stecken wir also meistens schon in der Arbeit am Nachfolger. Vielleicht würde es uns gut tun, die Sache ein wenig langsamer anzugehen. Aber es klappt einfach nicht.

MusikBlog: Würdest du sagen, dass mit „Distance Inbetween“ ein neues Kapitel für The Coral angebrochen ist?

Nick Power: Genau so fühlt es sich an. Und „Move Through The Dawn“ ist der zweite Teil dieses neuen Kapitels.

MusikBlog: Dieses Jahr feierst du ein besonderes Jubiläum. Da du 1998 The Coral beigetreten bist, bist du nun seit zwei Jahrzehnten Teil dieser Band. Wie fühlt sich das an?

Nick Power: Sehr sehr seltsam. Ich weiß wirklich nicht, wie ich es besser beschreiben könnte. Einfach seltsam. Wir waren ungefähr 18 Jahre alt, als wir anfingen. Ich kann mich gar nicht mehr an die Zeit vor der Band erinnern. Ich kann auch gar nichts anderes, das gilt für uns alle. Wir haben nach der Schule direkt diese Band gegründet, wir sind also unfähig, irgendeinem anderen Beruf nachzugehen. Wir haben gar keine andere Wahl, als immer weiter zu machen. Wir haben nie etwas anderes gelernt.

MusikBlog: Vermutlich hast du mit 18 nicht geahnt, dass du zwei Jahrzehnte später noch immer Teil dieser Band sein wirst.

Nick Power: Wenn du 18 Jahre alt bist, denkst du nicht langfristig, dir kommen fünf Jahre schon wie eine Ewigkeit vor. Ich glaube nicht, dass ich damals eine konkrete Vorstellung von meiner Zukunft hatte. Selbst rückblickend kann ich nicht glauben, dass es schon 20 Jahre sind, die Zeit verging so schnell. Es freut mich aber, dass wir so lange durchgehalten haben, weil viele meiner liebsten Bands über einen langen Zeitraum Musik veröffentlicht haben. Ich mag es, wenn Fans die Möglichkeit haben, mit der Musik ihrer Lieblingsband aufzuwachsen.

MusikBlog: Glaubst du, dass der größte Teil eurer Fans mit eurer Musik aufgewachsen ist, also etwa euer Alter hat?

Nick Power: Naja, ich sehe auch viele jüngere Leute in unserem Publikum, wenn wir auftreten. Zu unseren Shows kam aber schon immer ein sehr gemischtes Publikum, mit vielen älteren Fans von Stoner- und Psychedelic-Rock. Außerdem bin ich erst 36 Jahre alt, ich habe also die Hoffnung, dass unsere besten Jahre als Band noch vor uns liegen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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