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Wir haben unsere Seelen an den Teufel verkauft – Cordovas im Interview

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Eine Folkrock- und Country-Band, deren fünf Mitglieder zusammen in einem Haus leben, bei der es keinen festen Leadsänger gibt, weil sie sowieso am liebsten alle zusammen in perfekter Harmonie singen? Nein, gemeint sind nicht The Band und ihr legendäres Hauptquartier „The Big Pink“ in West Saugerties, New York, wo sie Ende der 60er hunderte Songs mit Bob Dylan aufnahmen, sondern das Quintett Cordovas aus Nashville.

Obwohl Bassist Joe Firstman und Gitarrist Toby Weaver bereits 2011 und 2012 ein Studio- und ein Livealbum unter diesem Bandnamen veröffentlicht haben, beginnt die Geschichte der heutigen Cordovas, als Gitarrist Lucca Soria in Nashville auftaucht und  Joe, Toby und Lucca zusammen mit Keyboarder Sevans Henderson und Drummer Graham Spillman 2015 in ein Haus in East Nashville ziehen.

Dort arbeiten Cordovas rund um die Uhr an den neun Songs des Albums „That Santa Fe Channel“, das sie in fünf Sessions zusammen mit Kenneth Pattengale von The Milk Carton Kids als Produzenten live einspielen. Im Interview erzählen uns Joe Firstman und Lucca Soria, wieso sie jeden Winter mit Margaritas am Strand von Mexiko verbringen, weshalb sie ihre Seelen an den Teufel verkauft haben und warum ihr Häuschen in Nashville idyllischer als jede Hippie-Kommune ist.

MusikBlog: Joe, du hast mit anderen Musikern bereits 2011 ein Album als Cordovas veröffentlicht.

Joe Firstman: Das stimmt, aber eigentlich habe ich diese Band nur für ein Album gegründet. Schon die anschließende Tour war nicht geplant, aber da wir eingespielt waren, entschlossen wir uns, zumindest ein paar Konzerte zu spielen. Nur kannte uns natürlich niemand, deshalb mussten wir darauf hoffen, dass die Leute auftauchen, die sonst meine Konzerte als Solomusiker besuchen. Aber es gab keine Pläne, nach dieser Tour als Cordovas weiterzumachen. Wir wollten einfach die Songs aufnehmen, bevor wir sie wieder vergessen.

MusikBlog: Und wann hat sich das geändert?

Joe Firstman: Als Lucca Soria in der Szene in Nashville auftauchte. Nachdem ich ihn gehört hatte, wollte ich den Kern der Band wieder zusammentrommeln und ihn mit an Bord nehmen. Natürlich mussten wir erst mal herausfinden, ob wir uns musikalisch gut ergänzen, ob wir gegenseitig einen Gewinn für unsere Musik darstellen. Dass das der Fall ist, war dann sehr schnell klar.

MusikBlog: Aber nicht nur Lucca ist neu zur Band gestoßen, auch sonst hat sich die Besetzung im Vergleich zum ersten Album verändert.

Joe Firstman: Naja, im Grunde bestand die Band zunächst nur aus mir und Toby Weaver. Wir wollten diese Songs aufnehmen und brauchten dafür Musiker. So entstand unser Debütalbum. Als Lucca vor drei Jahren nach Nashville kam, kam die Band in ihrer jetzigen Besetzung zusammen, wir fuhren nach Mexiko, schrieben und probten jeden Tag, um möglichst viel in kurzer Zeit zu erreichen. Zwischendurch tranken wir Margaritas am Strand, wir hatten also trotz der intensiven Proben eine gute Zeit.

MusikBlog: Du hast gesagt, dass Cordovas nach dem ersten Album und dem folgenden Livealbum „Cordovas Live From Nashville“ nicht mehr existierten. Warum erschien dann 2014 mit „Love Bravely“ ein Album, das mit diesem Namen in Verbindung gebracht wird?

Joe Firstman: Das liegt daran, dass ich mir zu dieser Zeit bereits gewünscht habe, eine Band zu gründen. Aber „Love Bravely“ war eigentlich ein Soloalbum, die Cordovas in ihrer heutigen Besetzung existierten damals noch nicht. Eigentlich gab es zwei Versionen dieser Band, die erste endete, als „Cordovas Live From Nashville“ erschien. Niemand hat sich damals für uns interessiert, kaum jemand hat die erste Version der Band überhaupt wahrgenommen. Das lag auch daran, dass das Album schwer zu finden war, zwischendurch musste ich mir sogar Geld stehlen, damit es zumindest online verfügbar bleibt.

MusikBlog: Ist das der Grund, warum mit „Step Back Red“ und „Standing On The Porch“ zwei Songs des Debütalbums nun auch auf „That Santa Fe Channel“ sind?

Joe Firstman: Ich kenne die Gründe dafür nicht, weil unser Produzent Kenneth Pattengale das entschieden hat. Ich habe ihm da einfach hundertprozentig vertraut, weil er viel mehr Ahnung von solchen Dingen hat. Ich glaube aber, dass er mit dem Album eine Geschichte erzählen will und dafür diese beiden Songs benötigte. Oder dass diese beiden Songs Aspekte unseres Könnens beweisen, die die neuen Songs nicht zeigen.

MusikBlog: Lucca, ich habe auf YouTube einen TV-Mitschnitt gefunden, wo du 2014 bereits eine Soloversion von „I’m The One Who Needs You Tonight“ spielst. Sind viele Songs auf „That Santa Fe Channel“ bereits älter?

Lucca Soria: „I’m The One Who Needs You Tonight“ war der einzige Song, von dem ich bereits eine fertige Version hatte. Alle anderen Songs haben Joe und ich erst gemeinsam erarbeitet. Und auch von „I’m The One Who Needs You Tonight“ gab es vor diesem Album keine Studioversion. Ich habe den Song schon einige Jahre live gespielt, aber nie aufgenommen.

Joe Firstman: Ich wusste sofort, dass das ein großartiger Song ist. Und ich kann das sagen, weil ich ihn nicht geschrieben habe. (lacht) Für unser Album wollte ich ihn nur etwas schneller spielen und ein paar Akkorde ändern, aber ich weiß sicher, dass der Song auch vorher bereits umwerfend war.

MusikBlog: Du hast gerade schon erwähnt, dass sich der Song im Vergleich zu Luccas erster Version stark verändert hat. Passiert das oft, wenn ihr zusammen an Songs arbeitet?

Lucca Soria: Oh ja, viele Songs haben sich enorm verändert, seit Joe und ich sie zum ersten Mal zusammen gespielt haben. Manchmal liegt es daran, dass die anderen Bandmitglieder neue Ideen einbringen, oft einfach nur daran, dass wir so viel Zeit damit verbringen.

MusikBlog: Wenn einige Songs bereits älter sind, von verschiedenen Songwritern stammen und außerdem euer Produzent Songs für das Album ausgewählt hat, gibt es dennoch ein Thema, das die Songs auf „That Santa Fe Channel“ zusammenhält?

Joe Firstman: Natürlich. Nur weil mehrere Personen in den Prozess involviert sind, heißt das ja nicht, dass wir das Gesamtbild aus den Augen verlieren. Wir haben uns über jedes Detail in jedem Song den Kopf zerbrochen, haben jedes Arrangement bis in den hintersten Winkel genau ausgeleuchtet. Selbst wenn ein Song live in eine Improvisation übergeht und es für Außenstehende vielleicht so wirkt, als kämen wir vom geplanten Weg ab, kannst du dir sicher sein, dass auch das genau so geplant war.

MusikBlog: Als ich über das Thema des Albums nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass viele Songs von Aufbruch oder Rückkehr handeln, von verschiedenen Orten in Mexiko und den USA.

Joe Firstman: Für mich sind es die Bilder, die das Album lyrisch zusammenhalten. Vom ersten Song an, in dem ein 18-Jähriger durch die Stadt streift auf der Suche nach Gras und einer guten Zeit und gar nicht merkt, an was für einem wichtigen Punkt in seinem Leben er sich befindet. Die Songs sind voll von solchen starken Bildern und wichtigen Momenten.

MusikBlog: Ihr habt erzählt, dass ihr für die Arbeit an „That Santa Fe Channel“ im Winter nach Todos Santos in Mexiko gefahren seid. Was macht diesen Ort so besonders?

Joe Firstman: Als ich noch bei Atlantic unter Vertrag stand und außerdem ein festes Einkommen als Bandleader in einer TV-Show hatte, lebte ich ein ziemlich chaotisches Hollywood-Leben. Doch eine der wenigen sinnvollen Sachen, die ich damals mit meinem Geld angestellt habe, war, mir ein winziges Haus in Mexiko zu bauen. Ich ahnte damals schon, dass das Label die Zusammenarbeit mit mir bald beenden würde. Also baute ich mir ein Haus in Mexiko, um dort zu surfen, Gitarre zu spielen und mir einen Bart wachsen zu lassen.

Aber plötzlich passierte in Todos Santos etwas Seltsames. Peter Buck von R.E.M. und John Paul Jones und andere Rockstars kauften sich plötzlich auch Häuser dort, mit einem Mal existierte eine große Musikszene in meiner kleinen Surferstadt. Deshalb genieße ich es sehr, dort einige Monate im Jahr an Ideen und Songs zu feilen, anschließend auf Tour zu gehen und nächsten Winter erneut zurückzukehren.

MusikBlog: Schon auf dem Debütalbum stand der vielstimmige Harmoniegesang im Zentrum der Kompositionen, auf „That Santa Fe Channel“ ist er erneut sehr auffällig. Habt ihr euch für Kenneth Pattengale als Produzenten entschieden, weil sein Duo Milk Carton Kids ebenfalls für zweistimmigen Harmoniegesang steht?

Joe Firstman: Seine Expertise in diesem Bereich war gar nicht  ausschlaggebend, weil er einfach insgesamt die beste Wahl war. Er ist ein großartiger Sänger, der sich mit mehrstimmigem Gesang auskennt, aber er beherrscht auch alle anderen Aufgaben, die zu seiner Tätigkeit als Produzent gehören, sehr gut. Er hat uns auf so viele Arten geholfen und uns immer Tipps gegeben. Selbst wenn ich ihm nach einem Konzert geschrieben habe, weil mir irgendeine Kleinigkeit aufgefallen war, konnte ich mir sicher sein, dass er antwortet. Und dass mir seine Antwort wirklich weiterhilft.

MusikBlog: Und er hat euch empfohlen, weniger komplexe Harmonien für euren Gesang zu schreiben.

Joe Firstman: Wenn du dir unser Debütalbum noch einmal anhörst, stellst du fest, dass die Gesangslinien immer in Bewegung sind. Jede Idee, die ich hatte, habe ich versucht, in diesen Gesangslinien unterzubringen. Kenneth tickt ganz anders, er mag lieber klar strukturierte Harmonien, bei denen die Schönheit in der Simplizität liegt. Deshalb hat er uns auf jedem einzelnen Song des Albums dazu angehalten, die Komplexität des mehrstimmigen Gesangs etwas runter zu schrauben.

MusikBlog: Auch wenn die Harmonien etwas simpler sind, stelle ich es mir immer noch schwierig vor, sie zu singen und gleichzeitig ein Instrument zu spielen.

Joe Firstman: Oh ja, wir haben unsere Seelen an den Teufel verkauft, um das zu schaffen. Wir sind während der Proben häufig an einen Punkt gelangt, wo wir uns sicher waren, dass es unmöglich ist. Dass wir nie einen Level erreichen werden, mit dem wir zufrieden sind. Lucca ist erst 26, ich habe ungefähr zwölf Jahre mehr Bühnenerfahrung. Natürlich war es deshalb für ihn deutlich schwieriger, das zu lernen. Dafür singt er jetzt auf einem Niveau, das ich erst viel später erreicht habe.

MusikBlog: In Songs wie „Frozen Rose“ oder „Step Back Red“ gibt es kleine instrumentale Passagen, die wie kurze Jams oder Improvisationen klingen. Entstehen solche Momente auch so?

Joe Firstman: Als wir in dieser zweiten Besetzung von Cordovas anfingen, Musik zu machen, wollten wir eine Rock’n’Roll-Jazz-Band sein. Jams spielen nicht nur während unseres kreativen Prozesses eine große Rolle, sondern auch bei unseren Konzerten. Tatsächlich stecken in „Frozen Rose“ viele kleine Ideen, die aus Improvisationen entstanden sind. Manchmal fällt jemandem auf der Bühne ein kleines Riff ein und nutzt es als Übergang zwischen zwei Songs.

MusikBlog: Ihr spielt nicht nur in einer Band, sondern lebt auch zusammen in einem Haus in East Nashville. Ist das so romantisch, wie es klingt?

Joe Firstman: Nein, es ist sogar noch viel romantischer. Romantischer als jede Hippie-Kommune. Wenn die Sonnenstrahlen morgens durch die großen Eichen im Garten scheinen, wenn abends nach Sonnenuntergang überall Kerzen brennen, wenn gemeinsam gekocht und gegessen wird, dann stimmt einfach alles. Außerdem proben wir dort natürlich ständig und ausgiebig, aber auch das macht Spaß, da wir wissen, dass wir einen Plattenvertrag haben, auf Tour gehen, Interviews geben und endlich wahrgenommen werden.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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