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Big Red Machine – Big Red Machine

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Big Red Machine kam plötzlich. Das Projekt jedenfalls, das Album eher weniger. „22, A Million“ war synthetisch, offensichtlich Ausgeburt Justin Vernons Fantasie, getragen von einer Symbolik, die, ähnlich wie der Sound, einige abschreckte und viele begeisterte.

Jetzt soll es, und was könnte in dieser Entwicklung eines anorganischen aber extrem naturalistischen Sounds besser passen, die Big Red Machine sein. Als Duo mit Freund und Musiker Aaran Dessner, Mitglied von The National, bricht auch für Vernon, der normalerweise unter dem Namen Bon Iver musiziert oder auf allerlei hochkarätig besetzten Alben auftaucht (Kanye West, Eminem, James Blake, Frank Ocean, etc.), ein neues Kapitel an. Und das auf zwei Ebenen.

Während Big Red Machine, sowohl das Album, als auch das Projekt an sich, als natürliche Entwicklung einer langjährigen Künstlerfreundschaft und -kooperation verstanden werden kann, ist es doch auch das notwendige Aushängeschild für den gemeinsamen Streamingdienst PEOPLE, den die Musiker, mit Unterstützung anderer, ins Leben gerufen haben.

Etwas bitter ist da der Nachgeschmack, den Big Red Machine hinterlässt, bevor man überhaupt reingehört hat. Man ist nun mal von ähnlichen Versuchen anderer Streamingdienste, durch Exklusivität einen Markt für sich zu gewinnen, eher abgeschreckt und vorgewarnt.

Hört man dann endlich rein ins Album, nach reichlich unangebrachter Vorüberlegungen und gebildeter Vorurteile, findet man Altbekanntes mit neuem Flair. Vernons Stimme darf in einem minimalistischeren Soundgewand als noch auf dem letzten Album gewohnt verzerrt und mehrstimmig singen.

An die Stelle kryptischer Songtitel treten Bezeichnungen, die fast zu normal und konzeptlos wirken, als dass sie vom Großmeister der, in Introversion geborenen, Melancholie stammen könnten.

Tun sie aber, wie zum Beispiel „Gratitude“, das sich aus einem unscheinbaren Beat zu einem Stück verdichtet, dass so auch auf Bon Ivers selbstbetiteltem Zweitling seinen Platz hätte finden können.

Glitchy sounds auf treibendem Rhythmus gibt es beim kurzen „Air Stryp“, das ohne Aaron Dessner wohl nicht entstanden wäre. Das Stück drängt auf etwas, ohne die Spannung am Ende aufzulösen. Vernons Stimme und der gebrochene Rhythmus treten zum Schluss des Tracks getrennt auf, gebrochene Bande zwischen Mensch und Maschine.

Wie passend, dass „Hymnostic“ dann als gospelhafte Versöhnung zwischen beiden organischer wirkt, dass der Song trotz knarrenden und warnenden Fehlgeräuschen den Fehler in der Maschine vertuschen kann.

Während frühere Alben von Bon Iver sich trotz ihrer Komplexität oft wie Solo-Projekte anfühlten, begleitet „Big Red Machine“ eine Diskurshaftigkeit, die wohl nur in einem Duo entstehen kann.

An Stellen, besonders in „Forest Green“, steigt die besänftigende Instrumentation in einen Dialog mit Vernon ein. Er, als Mensch-Maschine auf eigenen Projekten Instrument und Künstler gleichzeitig, kann im Duo benutzen, ohne benutzt zu werden. Instrumente werden zu Werkzeugen, die auch allein ihre Geschichte erzählen.

Auch in „OMDB“, wo die Intensität in Vernons Stimme in keinem Verhältnis zur unaufdringlichen aber eindringlichen Musik steht, gibt es zwei Pole, statt einem. Wo zum Beispiel in „Deathbreast“ auf „22, A Million“ noch ein übersteuerter Bass die vor Emotionen zerberstende Herzkammer seines Schöpfers vertonte, steht jetzt die Umgebung, das Kollektiv, der Partner.

Ja, der vorletzte Song heißt sogar „People Lullaby“ und ja, das Logo des Anbieters ziert auch das Cover des Albums. „Big Red Machine“ aber aus diesem Grund als Werbeprodukt, B-Seiten-EP oder versehentlich aufgezeichnete Jam-Session zu bezeichnen, würde jeder Verhältnismäßigkeit entbehren.

Big Red Machine ist das Eingeständnis, dass minimalistische Zweisamkeit eine Alternative ist zu übersteuerter Einsamkeit. Dann ist „People“ vielleicht doch gar nicht so eine schlechte, geheime Überschrift für das Album.

Schließlich gehören die Erfahrungen und der kollektive Gedankenstrom des Albums einmal nicht dem Zerdenker Vernon, sondern den… – naja, das kann sich jetzt jeder auch denken, oder? Wir wollen schließlich nicht noch Werbung für einen Streamingdienst machen.

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