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Du musst aus deiner Komfortzone ausbrechen – Kodaline im Interview

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Nach ihrem äußerst erfolgreichen Debütalbum „In A Perfect World“ im Jahr 2013 und dem etwas weniger erfolgreichen zweiten Album „Coming Up For Air“ in 2015 veröffentlichen Kodaline diese Woche – fast ganz ohne Druck und dennoch mehrfach verschoben – ihr drittes Album „Politics Of Living„.

Darauf schaffen die vier symphatischen Jungs eine musikalische, elektro-poppige Weiterentwicklung, bleiben gleichzeitig ihrem Trademark-Sound treu und sind trotz – oder gerade wegen – der darauf wieder enthaltenen Pop-Balladen eine Band, auf die sich fast alle, innerhalb und außerhalb der Indie-Pop-Szene, einigen können (auch wenn es sicher einige gibt, die mit der Weiterentwicklung nichts anfangen können, wie unser Album-Review zeigt).

Warum das Album so eine schwere Geburt war, warum Politik in ihren Songs nichts verloren hat und warum sie nicht wie die Backstreet Boys klingen wollen, erzählen uns Sänger Steve Garrigan und Gitarrist Mark Prendergast im Interview.

MusikBlog: Steve und Mark, zunächst die offensichtliche Frage: Warum die mehrfache Albumverschiebung, die ja letztes Jahr auch eine Tourabsage mit sich brachte?

Steve: Wir lieben es, zu touren, dafür leben wir, und das Letzte, was wir machen wollten, war die Tour abzusagen. Aber das Album war in unseren Augen einfach nicht gut genug. Wir wollten es neu überdenken und neu machen.

MusikBlog: Neu machen heißt, die Songs neu schreiben?

Steve: Ja, wir haben praktisch das ganze Album komplett neu geschrieben. Nur vier Songs haben wir behalten.

Mark: Als das Album in seiner ersten Version fertig war, hatten wir das Gefühl, es ist noch nicht komplett und es könnte noch viel besser werden.

Steve: Als wir angefangen haben, wollten wir nicht wieder das gleiche machen wie auf den vorherigen Platten. Wir sind ja hautpsächlich für langsame Balladen bekannt, dafür haben wir ein Händchen und das ist unsere Komfortzone. Und daraus wollten wir ausbrechen und auch mal was Neues probieren.

MusikBlog: Ein großes Risiko.

Steve: Ja, es ist eine große Veränderung und in der Musikindustrie auch immer ein großes Risiko, aber das ist, was wir wollten. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass du als Künstler aus deiner Komfortzone ausbrichst, ansonsten kannst du dich nicht weiter entwickeln.

MusikBlog: Und wie habt ihr die neue Richtung für die neue Albumversion gefunden?

Steve: Wir hatten vor einer Weile eine Kollaboration mit Kygo, einem EDM-DJ, und hatten einen gemeinsamen Song auf seinem ersten Album („Raging“). Ich habe ihn dann auf einigen seiner Shows begleitet und sein Sound hat uns beeinflusst. Also wollten wir etwas mit elektronischen Sounds experimentieren.

Wir wollten diesmal außerdem mit verschiedenen Leuten zusammen arbeiten. Die ersten beiden Alben haben wir praktisch allein aufgenommen, für „Politics Of Living“ haben wir mit so vielen Menschen gearbeitet (u.a. Steve Mac (Ed Sheeran, Tom Walker), Jonny Coffer (Rag‘n’Bone Man, Beyoncé), Spike Stent (Madonna, Depeche Mode) und Johnny McDaid (Snow Patrol, Robbie Williams).

MusikBlog: Klingt es deshalb poppiger als die ersten beiden Alben? Zum Beispiel „Shed A Tear“ erinnert schon etwas an die Backstreet Boys.

Steve: Was? Das nimmst du zurück! (lacht) Aber fai­rer­wei­se muss man sagen, dass „Shed A Tear“ wirklich unsere balladigste Ballade auf dem Album ist. Und wahrscheinlich ein Song, den wir auch früher gemacht haben könnten.

Mark: Es gibt in der Tat einige solcher Stücke, die auch gut und gern auf eines unserer vorherigen Alben gepasst hätte. Aber es ist ein Mix aus solchen Songs und welchen, wo wir neue Sounds zeigen, wie z.B. „Follow Your Fire“. Ich denke, es ist eine gute Balance zwischen den Stücken, die sowohl unseren alten als auch den neuen Fans gefallen.

MusikBlog: Also hattet ihr doch auch den kommerziellen Erfolg im Auge?

Steve: Wir sind ja noch gar nicht so erfolgreich. Als Band hatten wir nie einen Nummer-eins-Hit. „All I Want“ vom ersten Album war zwar ein sehr bekannter Song, aber es war kein kommerzieller Hit. Wenn wir einen solchen gehabt hätten, dann wäre der kommerzielle Druck schon groß gewesen. Wir haben eine sehr gute, loyale Fanbasis und dafür sind wir sehr dankbar, aber wir sind noch keine große Band.

Mark: Es wäre schon schön, mal einen wirklich großen Hit zu haben, aber wir erwarten es nicht unbedingt. Wir sind eher eine Album-Band, und noch mehr, eine Tour-Band.

MusikBlog: Also ist euch kommerzieller Erfolg nicht wichtig?

Steve: Natürlich wäre es schön, aber den kann man ja eh nicht planen. Wir wollen uns auch als Band und als Song-Autoren weiter entwickeln.

Mark: Wir wollen einfach weiter Songs schreiben und Alben veröffentlichen. Wir sind sehr froh, dass wir schon drei Alben haben, viele Bands kommen gar nicht so weit. Natürlich wollen wir auch „the biggest band in the world“ werden…

Steve: …Jede Band möchte das, und wenn sie sagen nein, dann lügen sie! (lacht) Aber wir wissen sehr zu schätzen, wie weit wir gekommen sind. Wir kennen uns seit dem Kindesalter und spielen schon so lange zusammen, wir haben in kleinen Pubs angefangen, wo wir als Band beschimpft wurden. Wir sind einfach dankbar, dass wir es soweit geschafft haben.

MusikBlog: Das Album heißt „Politics Of Living“, das heißt, es ist unpolitisch?

Steve: (lacht) Ja. Ich denke, wir sind keine sehr politischen Leute.

Mark: Auf dem Album geht es eher um die persönlichen Schicksale und tagtäglichen Schwierigkeiten von den Menschen, um die Beziehungen mit deinem Freund oder Freundin, deinen Eltern und so weiter. Wir wollen keine politischen Statements abgeben. Musik ist unsere Art, uns auszudrücken, dennoch wollen wir niemandem unsere politischen Ansichten aufzwingen und trennen unsere persönliche Meinung strikt von der Musik.

MusikBlog: Aber ihr seid ja trotzdem sozial engagiert.

Steve: Ja, wir spenden für verschiedene Hilfsorganisationen und haben u.a. auch den High Hopes Choir unterstützt, ein Obdachlosen-Chor, der sich – inspiriert von unserem Song „High Hopes“ – gegründet hat. Ich habe einige Male mit ihnen gemeinsam auf der Straße gesungen. Aber wir machen darum kein großes Aufhebens.

MusikBlog: Eure Musik gibt vielen auch Hoffnung?

Mark: Ja, wir glauben schon. Musik ist für viele eine Flucht aus dem Alltag.

Steve: Es ist wirklich erstaunlich. Viele Menschen singen bei unseren Konzerten Arm in Arm. Alle sind freundlich, es gibt niemals irgendwelchen Ärger. In Russland haben Fans einmal sogar hunderte kleiner Herzen gebaut und bei einem Song hochgehalten, das war sehr beeindruckend. Es herrscht eine ganz besondere Liebe bei unseren Konzerten. Wir sehen unseren Job darin, den Konzertbesuchern bei ihrer kleinen Flucht aus dem Alltag zu helfen und eine schöne Zeit zusammen mit anderen zu haben.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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