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Es hat auch etwas Märchenhaftes – Laing im Interview

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Laing veröffentlichten 2014 nur ein Jahr nach ihrem Debüt-Album „Paradies Naiv“ (2013) mit „Wechselt die Beleuchtung“ schon dessen Nachfolger. Daraufhin brauchte die Band um Produzentin und Songwriterin Nicola Rost erst einmal eine Pause, um den Druck der Musikindustrie zu entfliehen. Nach Jahren des Machens und Tuns musste die Gruppe „mal kurz nicht funktionieren“.

Mit „Fotogena“ erscheint nun vier Jahre später das dritte Studioalbum der Elektro-Pop-Band, zeitgleich mit dem Kinofilm „Safari – Match Me If You Can“, für dessen Soundtrack Nicola Rost verantwortlich zeichnet. Wir trafen uns mit der Sängerin zum Interview und sprachen über die notwendige Bandpause, enttäuschte Erwartungen der Fans und den Fotowahnsinn der aktuellen Zeit.

MusikBlog: Laing. Das ist nicht nur euer Bandname, sondern auch der Geburtsname deiner Mutter. Welche Verbindung besteht da?

Nicola Rost: Tatsächlich war der Name vor der Band da. Ich habe zu Hause am Computer angefangen, Musik zu machen und als ich das zum ersten Mal öffentlich vorgespielt habe, da gab es diese Band noch gar nicht. Natürlich fragen dann immer alle, wie das jetzt heißen soll. Wenn man dann so sitzt und überlegt, wie das Ganze heißen soll und ein bisschen Scheu hat, seinen klaren Namen herzunehmen, dann ist es aber auch schwierig, ein anderes Wort zu nutzen, weil das immer sehr schnell etwas Sloganhaftes hat.

MusikBlog: Und welche Bedeutung hat nun Laing?

Nicola Rost: Laing ist einfach ein Wort, was mich schon seit meiner Kindheit begleitet. Seit ich denken kann, kenne ich diesen Familiennamen, deswegen bin ich damit sehr verbunden – es ist aber nicht meiner. Deshalb habe ich damals dieses Wort gewählt.

MusikBlog: Wie hat deine Mutter reagiert?

Nicola Rost: Es war eher meine Familie väterlicherseits, die meinte: „Wieso nennst du das denn jetzt so?“ Dabei war das gar nicht als Familienwidmung gemeint. Mir ging es ganz abstrakt um dieses Wort. Ich habe es mittlerweile auch mit etwas ganz anderem gefüllt, als nur mit mir oder nur mit meiner Familie. Letzten Endes ist es einfach ein abstraktes Wort, das sehr schön klingt und schick aussieht.

MusikBlog: Bleiben wir bei Begriffserklärungen. Was ist unter eurer Stilrichtung „Electric Ladysound“ zu verstehen?

Nicola Rost: Das wurde mal von einem Journalisten gebraucht und wir fanden es damals ganz passend. Es ist immer schwierig zu sagen „Das ist mein Style!“, da tut sich jeder Künstler schwer. Im Zweifel kann man es auch einfach Pop-Musik nennen, aber dann kann man sich noch weniger darunter vorstellen! (lacht) Wir fanden damals „Electric Ladysound“ gut, da man gleich weiß, dass es weiblich ist, also weibliche Stimmen hat. Und dass es elektronisch ist.

MusikBlog: Ein neues Album steht nun vor der Tür. Warum hat es diesmal so lange gedauert?

Nicola Rost: Es ist ja so, dass das erste Album schon sehr lange gedauert hat. An sich liegen zwischen Bandgründung und der ersten Platte fünf Jahre, glaube ich. Wir haben zwar EPs gemacht, aber es hat sehr lange gedauert, bis das erste Werk wirklich bei uns auf dem Tisch lag. Das war so befreiend, dass ich sofort die nächste Platte gemacht habe, weil ich es so geil fand, den Tisch leer zu haben! (lacht) 2015 hatte ich aber dann das Gefühl, dass wir seit Jahren nur am Machen und Tun sind. Es war so ein hohes Pensum an Konzerten, Interviews und Produktion, dass ich einfach das Gefühl hatte, wir müssen ganz kurz Pause machen.

MusikBlog: Aus ganz kurz wurde letztendlich etwas länger.

Nicola Rost: Eigentlich wollte ich ein Jahr Pause machen, aber dann war es so schön, mal kurz nicht funktionieren zu müssen, keine Termine und Druck zu haben, dass ich im Jahr 2016 auch nicht die Platte gemacht habe – zwar 1.000 andere Sachen, aber nicht die Platte. Dann war aber auf einmal das Jahr vorbei. Es war 2017 und ich hatte kein Album. Dann fing der Druck an, das Geld war weg. Das war aber dann auch kein cooles Arbeitsklima! 2016 war total entspannt, 2017 dann total stressig. So konnte ich auch nicht arbeiten!

MusikBlog: Und wie kam es dann zu „Fotogena“?

Nicola Rost: September 2017 kam dann das rettende Angebot: Ein Regisseur hat mir angeboten, einen Film-Soundtrack zu machen und das hat mir dann so einen krassen Impuls gegeben. Ich war davor einfach so verstrickt in die ganzen Demo-Songs und wie die Platte klingen sollte, dass ich kurz umschwenken musste, um dann Schwung für das Album zu haben. Vor allem kam durch den Soundtrack zu „Safari – Match Me If You Can“ auch die Deadline, weil die neue Platte natürlich auf jeden Fall zum Film kommen musste. Letzten Endes war es dann diese Deadline, die alles festgelegt hat.

MusikBlog: Rettungsring Film-Soundtrack. Wie war es?

Nicola Rost: Es war eine ganz neue Erfahrung, aber auch total schön! Normalerweise muss ich, wenn ich Musik habe, dem Ganzen dann durch den Text noch sozusagen ein Bild aufsetzen, um zum Beispiel den Raum zu schaffen, in welcher Stimmung diese Musik gehört wird. Ich muss eine Geschichte erzählen. In dem Film wird aber eben schon eine Geschichte erzählt. Man hat eine Szene, die schon eine Situation oder ein Gefühl beschreibt, und kann diese dann mit dem Song vergleichen. Ich fand es total schön, instrumentale Musik zu etwas zu machen, das schon beschrieben wird und nicht erst von mir durch einen Text kreiert werden musste.

MusikBlog: Apropos Text. Deutsch zu singen ist mittlerweile ein richtiger Hype geworden.

Nicola Rost: Natürlich verändert sich die ganze Zeit alles Mögliche, aber ich finde eigentlich, dass es immer eine Gleichzeitigkeit von allem ist. Alle Stile sind irgendwie gleichzeitig populär, in irgendeiner Szene. Ich habe auch das Gefühl, dass alles immer breiter wird, deshalb habe ich mich von dem Ganzen gar nicht so eingeschränkt gefühlt. Es muss sich alles immer noch natürlich anfühlen und deswegen habe ich mich zwar inspirieren lassen, von dem was so passiert auf dem Musikmarkt, aber im Großen und Ganzen habe ich mich an meinem Geschmack orientiert – und der verändert sich jetzt auch nicht fundamental alle drei, vier Jahre! (lacht)

MusikBlog: Woher kam denn die Inspiration für die Männerstimme in eurer ersten Singleauskopplung „Nieselregen“?

Nicola Rost: Das ist aus einer Spielerei entstanden. Eines Morgens im Herbst bin ich aufgewacht und habe auf mein Telefon geschaut. Bei der Wetter-App stand: „Berlin, Nieselregen, vier Grad.“ Da bin ich dann ins Studio und habe diesen Song gemacht. Es gibt bei Musik-Programmen so Pitching-Instrumente, mit denen ich dann aus Quatsch meine Stimme runtergelegt habe. Ich hatte so einen Spaß daran, mit mürrischer Männerstimme diesen Song zu schreiben, dass ich, als wir das Album zusammengestellt haben, einfach Bock hatte, den mit auf die Platte zu nehmen! (lacht)

Erste Vorabsingle wurde der Song, weil ich dachte, dass nach so langer Zeit der Abwesenheit im Zweifel die Erwartung so hoch ist, dass man sie nur enttäuschen kann. Die Leute sind so scharf darauf, dass man genau das macht, womit man aufgehört hat, vielleicht wäre es cool, mit etwas ganz anderem um die Ecke zu kommen. Etwas, was auf gar keinen Fall diesen Erwartungen entspricht. Und tatsächlich gab es teilweise sehr amüsierte Reaktionen, teilweise aber auch sehr enttäuschte, fast ins wütend gehende Reaktionen, weil Leute sich eben etwas ganz anderes vorgestellt haben.

MusikBlog: Dabei ist es doch eher ironisch gemeint.

Nicola Rost: Ja, aber die Single kam ja zuerst, dann erst das Video. Aber spätestens mit dem haben die meisten es dann auch gecheckt, dass das alles mit einem Augenzwinkern zu nehmen ist. Es wurde einfach klar, dass wir Spaß daran haben zu überraschen.

MusikBlog: „Du bist dir nicht mehr sicher“ erzählt dagegen von der ganz großen Liebe, die nach einiger Zeit im Nichts aufgeht.

Nicola Rost: Genau, der Song beschreibt eine Situation, wo man gelähmt ist, zwischen fliehen wollen und festkrallen. Es ist so eine Zerrissenheit zwischen „Ist es noch zu retten?“ oder „Muss ich mich jetzt in Sicherheit bringen, damit ich nicht noch verletzt werde?“. Das ist das Schreckliche an dieser Situation, es gibt da kein Rezept, keine Formel. Man weiß nicht, ob man etwas aufgibt, wofür es sich noch zu kämpfen lohnt, oder ob man im Grund an etwas festhält, was schon längst verloren ist. Durch diese Situation muss leider einfach jeder gehen und dann schauen, wie viel man aushält.

Ich habe zum Beispiel auch eine Zuschrift bekommen von jemandem, der gesagt hat, dass er sich wegen dem Song getrennt hat. Ich musste zuerst schlucken und dachte „Oh Gott, oh Gott!“, aber dann war ich total berührt, weil er letztendlich ja total happy ist.

MusikBlog: Die Situation bei „Camera” kennen heutzutage wohl die meisten: „Pic or it didn’t happen!”

Nicola Rost: Klar, es ist verrückt, aber es ist auf eine Art doch auch irgendwie eine verlängerte Erinnerung. Man erinnert sich teilweise doch nur an die Fotos. Bei mir ist es zumindest so, meine Erinnerungen halte ich zum Beispiel an Bildern fest. Viele Sachen, die ich in der Kindheit gesehen habe, habe ich eigentlich nur in einem Foto abgespeichert. Ob man sich an diesen Moment erinnern würde, wenn es dieses Foto nicht gäbe? Keine Ahnung. Es ist doch auch so, wenn du durch dein Telefon swipest, dann wischst du im Endeffekt durch deine Erinnerungen. Das ist total faszinierend.

MusikBlog: Sind Fotos also die neue Realität?

Nicola Rost: Das habe ich versucht, mit dem Song rüberzubringen. Jeder ist da irgendwie mitgegangen, mitgefangen, auch ich. Man hat gleichzeitig aber auch eine ironische Distanz dazu, weil man sieht wie absurd es ist, dieser Fotowahnsinn. Unsere Zeit hat einfach eine totale Bilddominanz, Fotos sind auch eine Art Realität. Man sieht es und kann den Kopf schütteln, aber dann zieht man doch mit.

Als ich den Song geschrieben habe, habe ich ein bisschen recherchiert, es gibt unterschiedliche Internet-Foren, wo Leute sich darüber austauschen. Zum Beispiel gab es so ein Bergsteiger-Forum, wo einer geschrieben hat, dass er eine Tour machen wollte und unterwegs merkte, dass er seine Kamera vergessen hat. Er musste sich dann eingestehen, dass es ihm gar keinen Spaß mehr gemacht hat, weil er eigentlich diese Touren macht, um eben die Bilder mit anderen zu teilen. Ganz viele haben da zugestimmt, weil alle so ein bisschen betroffen waren und bestätigen mussten, dass es ebenso ist.

MusikBlog: Lebt man da aber nicht auf eine gewisse Weise in einer Fantasiewelt?

Nicola Rost: Ich habe auch mehrfach bei Studien gelesen, dass Social Media unglücklich macht, durch eben dieses sich vergleichen und die verzerrten Darstellungen. Ich finde aber, es macht gleichzeitig auch total Spaß, so eine Traumwelt zu kreieren. Es hat doch auch irgendwie etwas Märchenhaftes, diese Filter mit Glitzer und Krönchen. Ich weiß nicht, ob das alles so schlecht ist. Vor allem ist das jetzt alles einfach so, du kannst es dir gar nicht mehr wegdenken. Es ist zweischneidig, deswegen finde ich es doof, wenn man sagt, „Böse, böse, böse!“ oder „Geil, geil, geil!“. Es ist einfach beides!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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