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Sharon van Etten (Credit Ryan Pfluger)

Sharon Van Etten – Remind Me Tomorrow

Es gibt heutzutage nicht mehr viele Künstler, die sich eine dreijährige Schaffenspause leisten können, ohne danach vollkommen in Vergessenheit zu geraten. Sharon Van Etten ist so eine Künstlerin.

Nach dem letzten Zucken ihres EP-Meisterwerks  „I Don’t Want To Let You Down“ zog es die New Yorker Songwriterin im Jahr 2015 in andere Arbeitsgefilde.

Statt den Erfolg der Platte zu nutzen und zeitnah unter eigenem Namen nachzulegen, verdiente sich Sharon Van Etten lieber ihre ersten Sporen als Schauspielerin („The OA“).

So ganz nebenbei drückte sie auch nochmal die Schulbank (Psychologie-Studium), spielte für den Katherine Diekman-Film „Strange Weather“ den kompletten Soundtrack ein und gebar ihren ersten Sohn.

Geschadet hat ihr die vermeintliche Prioritäten-Verschiebung aber keineswegs – ganz im Gegenteil. Mit ihrem Comeback-Album „Remind Me Tomorrow“ geht Sharon Van Etten neue Wege.

Die Gitarren bleiben im Januar 2019 eher im Hintergrund. Im Fokus stehen intensive Düster-Synths, flackernde Orgelklänge und langlebige Pianothemen.

Das galoppierende „No One’s Easy To Love“ erinnert in puncto Groove und Atmosphäre an das Smashing-Pumpkins-Highlight „Ava Adore“.

Die düstere Hymne „Comeback Kid“ hätte einst im Berliner „Linientreu“ für eine volle Tanzfläche gesorgt. Und die melancholische Pianoballade „Malibu“ verdient sich das Prädikat besonders wertvoll.

Drei Jahre nach ihrem letzten Studio-Output unter eigenem Namen präsentiert sich Sharon Van Etten künstlerisch gereift und experimentierfreudiger denn je.

Nach dem letzten Akkord des finalen, auf zischenden Hi Hats tanzenden Orgel-meets-Bass-Dramas „Stay“ pendelt man zwischen entfachter Aufbruchsstimmung und geruhsamer Das-Leben-ist-schön-Lethargie hin und her. Nicht der schlechteste Zeitvertreib.

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