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Massive Attack – Live in der Jahrhunderthalle, Frankfurt

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Massive Attack touren 21 Jahre nach ihrem Meilenstein „Mezzanine“ zum gebrochenen Jubiläum mit den Original-Sängern der Platte. Auf dem Papier klingt das nach einem der ganz großen Konzerthighlights des Jahres.

In der restlos ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle wähnt man sich allerdings zunächst im falschen Film. Eine fade Coverversion von The Velvet Undergrounds „I Found A Reason“ (gesampelt in „Risingson“) lässt nur die ersten Reihen ganz sicher sein, dass hier schon Massive Attack auf der Bühne stehen. Die hinteren gehen zunächst von einer nicht angekündigten Vorband aus.

War das ein deplatzierter Gag? Eine kryptische Hommage? Mit dem logisch folgenden „Risingson“ an zweiter Stelle werden zwar die Zweifel zerstreut, dass es sich zuvor um irgendeine andere Band gehandelt haben könnte. Zugleich scheint im Publikum aber noch immer niemand wirklich angekommen – in Konzert und Intention.

Stattdessen machen Massive Attack deutlich, dass sie eine chronologische Darbietung von „Mezzanine“ als Gesamtkunstwerk nicht beabsichtigen und stattdessen lieber direkt den nächsten Kontrapunkt setzen.

„I Found A Reason“ war nicht nur die falsche Fährte zu Beginn, deren Zweck sich vielleicht noch offenbart hätte, sondern Teil eines Coversong-Konzepts (von in Massive Attack Songs gesampelten Titeln), das auf Konfrontation mit jeder Erwartungshaltung geht.

An dritter Stelle spielen die Mitbegründer des Trip-Hop mit „10:15 Saturday Night“ einen Song aus der zweiten Reihe von The Cure (gesampelt in „Man Next Door“), der zum Bristol-Sound in etwa so harmoniert wie Dieselautos und Feinstaubgrenzwerte.

Der falsche Film nimmt auch auf der grellen Leinwand hinter der Bühne seinen Lauf, wo Putins, Trumps und Husseins vor (absichtlich?) falsch übersetzten Phrasen im wahrsten Sinne des Wortes dumm aus der Wäsche gucken.

Dass Massive-Attack-Shows politisieren, ist nicht neu. Dass sie das so aufdringlich und irgendwie doch willkürlich nötig haben, schon.

Es dauert bis „Black Milk“, bis der erste trance-ähnliche und emotional geladene Moment entsteht, den man sich so eigentlich für das ganze Konzert gewünscht hätte.

Liz Fraser tritt zum ersten Mal ans Mikrofon, intoniert nicht immer zu hundert Prozent, und rettet doch zu jeder Sekunde eine bis dato unnötig zerfledderte Show.

Die einstige Cocteau-Twins–Sängerin muss diese Bürde zusammen mit Sänger Horace Andy, der seinen größten Moment in „Angel“ hat, noch einige Male stemmen.

Denn Massive Attack, um Mastermind Robert Del Naja alias „3D“, werden nicht müde, mit Ultravox- („deren „Rockwrok“ in „Inertia Creeps“ gesampelt wurde) und Avicii-Covern die Magie zu zerstören, die ihre eigenen Songs zwischendurch immer wieder aufbauen.

Ein unwiderstehlicher Sog, der sich daraus hätte entwicklen können, wird jedesmal jäh und genüsslich unterbrochen. Zwischen die tollen „Dissolved Girl“ und dem dunkel groovenden „Inertia Creeps“ pressen Massive Attack den Pete-Seeger-Song „Where Have All The Flowers Gone“ (ebenfalls gesampelt in „Risingson“), den Fraser zwar überzeugend singt, der aber einmal mehr einer als „Mezzanine XX1“ angekündigten Tour nicht gerecht wird.

Ohne Liz Fraser, die mit gehauchter Stimme brilliert und der mit „Teardrop“ und „Group Four“ auch verdienter Maßen das Finale zusteht, wäre die Show beinahe eine Mogelpackung.

Warum Massive Attack ihr eigenes Meisterwerk immer wieder derart aus dem – für die Band selbst sicher nachvollziehbaren – Kontext reißen, bleibt an diesem Abend ihr gut gehütetes Geheimnis.

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