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Es könnte auch als Mixtape durchgehen, was Tricky auf seinem neuen Album „Different When It’s Silent“ wie eine Kette von Mantren aufführt. Die Tracks folgen alle einer designierten Grundstimmung und einem Ansatz mit möglichst wenig emotionalem Ausbruch.

Manchmal vernimmt man hier kaum Unterschiede beim Wechseln von einem zum anderen Song. Tempo und Stimmung bleiben sehr konstant, jedenfalls die ersten beiden Drittel hinweg. Das Album kennt insbesondere dann Kontraste, wenn es komplett still ist, möglicherweise heißt es deswegen „Different When It’s Silent“.

Vielleicht auch, weil die Arrangements sehr abgespeckt wirken und jeden Ton aus jeder zugespielten Quelle offen legen. Bei „I Still See Me There“ sind meist nur Bassgitarre, Kick-Drum, Hi-Hats und ein sanftes sphärisches Synth-Spiel rundherum vorhanden.

Trip-Hop wird wieder auf sein Skelett reduziert. Hatte der 58-Jährige Tricky bei seinem letzten Album „Fall To Pieces“ fast flächendeckend auf Streicher gesetzt, sind diese jetzt die Ausnahme.

„Frontier Town“ beschränkt sich sogar im Wesentlichen auf Stimme und Schlagzeug. Der „Hengrove Blues“ enthält eine weich und leise beigemischte Rhythmusgitarre, Falsett-Sänger Mitch Sanders und ein bisschen Harmonie-Gesang von Tricky im Hintergrund.

Dadurch profitiert der zweite Teil des Albums von Gegensätzen. Trotz mancher Wechsel bei der Instrumentierung laufen die Tracks des ‚ersten Teils‘ jedoch quasi unterschiedslos durch, völlig bruchlos, bis auf siedend klingende Gitarren-Läufe in „I’m Yours“ und „Because I Don’t Know“. Teils wähnt man sich dort im Modern Rock, wie auch während „Paris Maybe“.

In Frankreich wohnt der einstige Berlin-Neuköllner Tricky heute – wohl daher rührt der Blick in die Stadt der Liebe. Chanson oder French House haben ihn dort offenbar noch nicht erteilt oder zumindest nicht beeinflusst; schade eigentlich, denn sie hätten eine andere Richtung ermöglicht als der dumpfe Modern Rock.

Die Homogenität, leider auch Monotonie zieht sich phasenweise allzu sehr hin, obwohl sogar eine Dope-Lemon-Coverversion von 2016 dazwischen rutscht („Marinade“).

Der britische Trip Hop-Pionier, der den Longplayer in Bristol und in Berlin aufnahm, verhält sich einigermaßen unbeeindruckbar von allem. Er grummelt, gestern wieder zu viel ferngesehen zu haben, und sein rappender Gast Dwaine Browne beklagt die Kriminalisierung von Marihuana.

Wie es schon stets eines von Trickys Merkmalen war, zeigt er sich desillusioniert von den Entwicklungen, die unsere Zivilisation nimmt. In „Cannon Fodder“, das sich musikalisch schon arg im Kreis dreht, fühlen sich die Verhältnisse zwischen den Menschen wie Stillstand an, und Mitch Sanders malt die Stagnation mit seiner hohen Stimme.

Mehrmals besticht sein Falsett, wirkt erst spannend, mit den Minuten aber sedierend. Probleme gibt es nicht nur öffentliche – auch auf der privaten, persönlichen Ebene, scheint alles kraftraubend zu sein.

Der Beat-Architekt selbst ist dagegen mal mehr, mal minder am Mikrofon präsent. Er flüstert, raunt, ächzt im Eröffnungslied „I Still See Me There“ auf der Suche nach einem Quäntchen Romantik, Marta trällert als Angebetete über ihn hinweg.

Mit der Kollegin hatte Tricky 2023 die EP „When It’s Going Wrong“ und 2025 „Out The Way“ veröffentlicht, eines von mehreren Kollaborations-Werken (auch mit anderen Künstler*innen) der letzten Jahre.

Der englische Wahl-Franzose folgt dabei wohl nur seinem eigenen Rhythmus, wann und wie er Material unter die Leute bringt – auch wenn dann ein Teil in der breiteren Öffentlichkeit schon mal untergeht.

Plattenfirmen hat er indes längst abgeschworen, bezeichnete sie in Interviews als inhaltsleer – viele Label-Manager würden genauso gut andere Produkte vermarkten als die Musik, wenn sie dafür auch Jobs fänden, lautete sein Resümee. Seine Musik wie auch die von Marta ist ihm dafür zu schade.

Teilweise unterliegt sie ja auch kaum gängigen Pop-Rezepten, etwa wenn in „Out Of Place“ besessen stolperndes Drum-Programming mit quietschenden Loops konkurriert, die wie das Auspressen eines Ketchup-Spenders klingen, und wenn ein Cello zwischen diesen beiden Polen versucht, die Melodie unterzubringen.

Dieses Stück ist zwar das interessanteste , bricht aber nach zweieinhalb Minuten ab. Skizzenhaftigkeit kann man sich erlauben, wenn man wahrscheinlich gar nicht auf die Tanzfläche abzielt, die sich bei diesem unkonventionellen Lied wohl erst füllt, wenn er schon wieder stoppt.

Am markantesten lässt sich die herausgehobene Stellung dieser ganzen Scheibe, die beinahe wieder nur ein Neben-Projekt geworden wäre, an ihren Hip-Hop-Abschnitten wie „Radana“ ablesen. Sie stechen sofort ins Ohr.

Doch unterm Strich gestaltet es sich als herausfordernd, mit der Platte als Ganzem abseits einzelner Momente warm zu werden, in denen immer wieder kurz Funken überspringen wollen, und bei denen doch nichts wirklich haften bleibt.

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