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Es geht um das Dazwischen – Ten Fé im Interview

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Dass Männerfreundschaften zu mehr als obszönen Witzen und dem gleichermaßen klischee- wie biergetränkten Champions League-Schauen am Dienstagabend führen können, beweisen uns Ben Moorhouse und Leo Duncan aus London. Sie haben eine Band namens Ten Fé gegründet und mit dieser nicht nur ein von der Kritik gefeiertes Debütalbum inklusive einer über 30 Millionen Mal geklickter Hit-Single abgeliefert, sondern zudem ausverkaufte Shows auf der ganzen Welt gespielt. Jetzt legen sie ihr zweites Album „Future Perfect, Present Tense“ vor.  Wir haben mit Leo über die Arbeit zu zweit, Straßenmusik und am Ende dann doch auch über Fußball gesprochen.

MusikBlog: Leo, habt ihr die Nase voll von elektronischen Sounds? Für mich klingt das neue Album im Vergleich zum ersten nach einem Singer/Songwriter-Album.

Leo: Nein, wir haben während dieses Album entstanden ist, nur einfach nicht so viele elektronische Sachen gehört. Aber es stimmt schon, das Songwriting steht bei diesem Album im Zentrum. Wir haben versucht, die Distanz zwischen Song und Hörer möglichst klein zu halten. Das erste Album haben wir ja in Berlin aufgenommen, wir hatten einen Elektro-Produzenten, da gab’s viele elektronische Elemente, die wir damals sehr mochten, aber manchmal sind die eben nicht songdienlich. Dieses Mal haben wir versucht, die Songs möglichst intim zu gestalten, und oft sind dabei eben sehr einfache Arrangements entstanden.

MusikBlog: Auch wenn’s dieses Mal nicht Berlin war, der Ort, an dem ihr am zweiten Album gearbeitet habt, klingt ziemlich interessant. Ihr wart in einer leerstehenden Führerscheinbehörde?

Leo: Ja, das war ein bisschen verrückt. Weil es eben leerstehend war, haben sich da die verschiedensten Leute versammelt. Im Raum neben uns war ein Typ, der sich weigerte, Kleidung zu tragen und nichts in seinem Zimmer hatte als eine Matratze. Er hat dreimal versucht, das Gebäude anzuzünden. In einem anderen Zimmer waren Leute, die 8- oder 9-tägige Partys gefeiert haben, das war schon ein bisschen verrückt. Aber wir hatten unseren eigenen Platz, wo wir arbeiten und Spaß haben konnten, das ist in London verdammt wichtig. Wir haben die Verrücktheiten ausgeblendet und den ganzen Tag an unserer Musik arbeitet.

MusikBlog: Ist diese Arbeit zu zweit nicht viel komplizierter? Jeder von euch könnte doch auch alleine seine Songs schreiben und veröffentlichen.

Leo: Das stimmt, aber jeder von uns kann auch so vieles alleine machen. Es kommt zum Beispiel vor, dass ich einen Song alleine schreibe und erst dann damit zu Ben gehe. Wir können in der Gruppe weiterhin als Individuum existieren, aber wie in jeder guten Beziehung können die eigenen Stärken die Schwächen des anderen ausgleichen und umgekehrt. Das braucht natürlich Zeit, um das schätzen zu können, aber wir kennen uns inzwischen so lange, dass das sehr gut funktioniert. Jeder zeigt dem anderen Dinge, auf die der nie gekommen wäre.

MusikBlog: Ist das das tiefere Verständnis zwischen euch beiden, von dem im Pressetext die Rede ist?

Leo: Genau, ja. Wir haben ziemlich hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind und haben dabei eben auch vieles zusammen durchgemacht. Deshalb können wir uns gewisse Dinge eben sagen. Ich neige zum Beispiel dazu, beim Singen laut zu schreien, damit jeder zuhört und Ben kann mir eben sagen: „Leo, das Beste an dir ist deine leise Stimme, konzentriere dich darauf!“ Es ist schon großartig, mit jemandem zu arbeiten, dem man so vertrauen kann.

MusikBlog: Dabei habt ihr, musikalisch gesehen, vollkommen verschiedene Hintergründe. Du kommst aus einer irischen Familie, in der viel gesungen wurde, während Ben an der Royal Academy of Music Jazz-Gitarre studiert hat.

Leo:  Ja, auf jeden Fall, wir ergänzen uns eben. Ben ist der beste Gitarrist in London, ganz im Gegensatz zu mir. Er hat ein hervorragendes Verständnis für Harmonie und Musikalität und versteht das System dahinter. Er ist der Mastermind und weiß, wie man Gesangsharmonien schreibt und so weiter. Ich hingegen will die Musik einfach fühlen, ich will nicht darüber nachdenken, das verwirrt mich eher. Er ist wie Franz Beckenbauer und ich bin eher wie… Wayne Rooney.

MusikBlog: Ihr habt relativ viel Straßenmusik gemacht und das, nachdem ihr mit anderen Projekten bereits beachtlichen Erfolg hattet. Ist dieser Schritt nicht ziemlich frustrierend?

Leo: Ja, das trifft wahrscheinlich auf jeden Menschen zu, außer Ben. Er hat ein unfassbar reines Musikverständnis. Es ist ihm egal, ob er mit den Golden Silvers Blur vor 50.000 Menschen supportet oder auf der Straße vor 50 Menschen spielt. Ihm geht’s einfach nur darum, die Musik zu fühlen, so jemanden habe ich sonst noch nie getroffen.

MusikBlog: Aber wieso habt ihr es denn überhaupt gemacht?

Leo: Man lernt wirklich viel über Kommunikation. Auf der Straße musst du zu den Menschen vor dir einen Kontakt herstellen. Du musst den Song, deine Energie und die Musik im Allgemeinen kommunizieren und das auf eine sehr einfache Art und Weise. Das ist das, worum’s geht und das ist großartig. Man lernt es am besten auf der Straße.

MusikBlog: Zeit ist ja ein ziemlich großes Thema auf „Future Perfect, Present Tense“ oder beispielsweise auch auf der Lead-Single „Won’t Happen Again“. Gab’s einen speziellen Grund, der euch so viel über dieses Thema nachdenken ließ?

Leo: Ja, ich glaube, das war der Erfolg des ersten Albums, den wir jetzt vor dem zweiten reflektiert haben. Uns ist aufgefallen, dass viele Dinge, die wir uns ausgemalt haben, tatsächlich auch passiert sind, aber viele eben auch nicht. Es ist die Situation, in der du bemerkst, dass du bekommen hast, was du wolltest, aber es vielleicht gar nicht das ist, was du eigentlich wolltest. Das waren zwei Jahre, in denen viele Dinge passiert sind, wir haben dieses Album gemacht, sind durch die Welt getourt, haben uns verliebt, haben Menschen verloren und so weiter.

MusikBlog: Ist dieser retrospektive Blick, den das Album ja auszeichnet, dann eher ein nostalgischer oder ein euphorischer? Ich war mir nicht sicher, als ich das Album gehört habe.

Leo: Das ist super, genau das ist nämlich der Kern des Albums: Es soll keine einfachen Gefühle wecken, es handelt von den graduellen Abstufungen. Für das Albumcover wollten wir zum Beispiel genau diesen Punkt erwischen, an dem der Tag zur Nacht wird, aber das ist eben kein Punkt, es sind Abstufungen. Das ist unser Thema: Wann wird der Tag zur Nacht, wo wird Liebe zur Traurigkeit oder wo wird Traurigkeit zur Weisheit. Es geht um das Dazwischen, das Sich-nicht-sicher-sein.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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