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Meine Musik ist kein Protest – Lambchop im Interview

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Kurt Wagner, Mastermind hinter dem alternativen Country-no-Country-Gewusel Lambchop, ist der Inbegriff des down-to-earth-Typen. Während das Musikfeuilleton darüber grübelt, wie man sein viel geschecktes Allerlei aus Jazz, Ambient-Pop, Kammermusik, Bedroom-Soul und Autotune am besten auf den Punkt bringt, kümmert sich der Meister der Abstraktion lieber, und vor allem klammheimlich, um den Ausbau seines Sounduniversums.

Und das hat es auf „This (Is What I Wanted To Tell You)“ mal wieder in sich. MusikBlog sprach mit dem Mann, der als einziger auf der Welt eine Trucker-Cap tragen kann, ohne dabei an feingeistiger Glaubwürdigkeit einzubüßen.

MusikBlog: Hey Kurt, viele Artikel über Lambchop heben hervor, dass die Band aus 12, 15, manchmal 18 Mitgliedern besteht. Dabei finde ich, dass der Sound eigentlich ziemlich intim, eventuell sogar einsam klingt. Berechtigte Annahme?

Kurt Wagner: Absolut! Dass wir einen solchen Sound kreieren können, hängt natürlich mit dem Equipment zusammen, das uns zur Verfügung steht. Über die Jahre haben wir gelernt, sämtliche Instrumente so einzusetzen, sodass dabei einfach möglichst wenig Lärm entsteht. Auf Konzerten erlaubt eine gewisse Lautstärke dem Publikum, sich zu unterhalten. In der Ruhe, die wir schaffen, ist das aber kaum möglich. So gelingt es uns, unsere Ideen und Vorstellungen zu vermitteln.

MusikBlog: Besonders auf dem letzten Album „FLOTUS“, selbstverständlich aber auch auf noch früheren Werken, hast du mit Autotune experimentiert. Auf „This (Is What I Wanted To Tell You)“ wird deine Stimme bis auf zwei Songs auch wieder verzerrt. Dafür, dass du nicht wie jemand wirkst, der sich an musikalischen Trends orientierst, wundert’s mich schon ein bisschen, dass du dieses Programm so ausgiebig gebrauchst. Worum geht’s dabei? Entmenschlichung in Zeiten des digitalen und informativen Overload?

Kurt Wagner: Nein, nein, gar nicht. Ich nutze Autotune als Ausdrucksform, die meiner Gesangsstimme weitere künstlerische Elemente verleiht. Mal davon abgesehen, macht es auch einen Heidenspaß!

MusikBlog: Ich weiß, die nächste Frage muss dich ziemlich langweilen, da deine Frau Vorsitzende der Demokraten in Tennessee ist und du dich von Zeit zu Zeit mit politischen Fragen beschäftigen musst, obwohl du schon mehrfach gesagt hast, dass eure Musik überhaupt keine politische Agenda verfolgt. Gerade in Deutschland wurde dein Vorgänger „FLOTUS“ jedoch als eine Art akustisches Seelenbalsam für ein Land beschrieben, das nichts Geringeres als eine Cartoonfigur zum Präsidenten hat. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hast du die „America first“-Agenda und alles, was damit zusammenhängt ja bestens mitbekommen. Deine Musik gilt, anders als Trumps Politik, als grenzüberschreitend. Ist das dann nicht auch in irgendeiner Form politischer Protest?

Kurt Wagner: Das ist mehr ein Treuebekenntnis mir selbst und meiner Arbeit gegenüber. Was ich tue, reicht mir in seiner Einzigartigkeit vollkommen aus und verlangt gar nicht so sehr danach, in irgendwelche Schubladen zu passen. Natürlich begreife ich mich auch als einen Teil der Welt, der nicht ignorieren kann, was vor sich geht, aber meine Musik sehe ich nicht als Protest.

MusikBlog: Das mag ein bisschen stereotypisch klingen, aber wirst du in Nashville, deiner Heimat, von Traditionalisten nicht dafür belächelt, vielleicht sogar dumm angemacht, dass du der klassischen Vorstellung von Country einen derart elektronischen Twist gibst?

Kurt Wagner: (lacht) Das ist zum Glück noch nicht vorgekommen. Vermutlich, weil ich auch nicht so sehr als Country-Traditionalist wahrgenommen werde. Man bekommt es wohl gut hin, sich aus dem Weg zu gehen.

MusikBlog: Auf frühen Werken wie „How I Quit Smoking“ sind die Tracklängen verhältnismäßig konventionell, im Schnitt zwischen drei und vier Minuten, verteilt auf 14 Songs. „This (Is What I Wanted To Tell You)“ hat nur acht Titel, die aber zum Großteil länger sind als sechs Minuten. Irgendwie interessant.

Kurt Wagner: Das hängt wohl mit der Technologie zusammen, die mir heute erlaubt, nicht nur anders, sondern insbesondere auch vielfältiger und produktionstechnisch ausgefeilter aufzunehmen. Es steckt aber auch eine persönliche Motivation dahinter, da größer angelegte Songwriting-Ambitionen auch mehr Zeit beanspruchen.

MusikBlog: Im April kommst du nach Deutschland, unter anderem geht’s für dich zurück in die Hamburger Elbphilharmonie – ein Venue, das für einen solch sedativen, intensiven und immersiven Sound wie gemalt ist.

Kurt Wagner: Wir waren damals sogar die zweite Band, die überhaupt dort spielen durfte. Es ist wunderbar, demnächst zurück zu kehren. Die Architekten dort haben einen Weg gefunden, die Klangresonanz in einem derart großen Raum nahezu zu unterbinden – fantastisch!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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