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Bilderbuch – Live im Mehr! Theater, Hamburg

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Bilderbuch! Sind doch noch echt. Nachdem sich die Österreicher mit ihren letzten beiden Alben „Mea Culpa“ und „Vernissage My Heart“ auch ins Bewusstsein der letzten Ecken gespielt haben sollten, kehren die vier Schattengestalten auf die Bühne des Mehr! Theaters in Hamburg zurück.

Was eigentlich für’s Docks geplant war, verkauft sich auch in der größeren Halle aus. Liegt mit Sicherheit auch daran, dass Bilderbuch eine breitere Zielgruppe ansprechen, als… ja, als andere halt.

Autotune und Gitarren lautet die Formel für Generationsvermählung, der sich die Wiener Musikanten verschrieben haben. Und das Mehr! Theater hat sogar Sitzplätze! Ein Abend für alle, oder?

Bevor man diese ambitionierte Annahme bestätigen mag, bietet sich erst einmal ein Blick durch die Halle an, als noch nicht die Band, sondern der Support auf der Bühne steht. Hoe Mies legen auf und spielen ein kurzes DJ-Set, das sie laut eigener Aussage eigentlich durch Clubs zerren.

Im Docks hätte das vielleicht noch gepasst und für Stimmung gesorgt, in der nächstgrößeren Location eher nicht. Während die Schlangen am Bierstand noch lang und die Rücken der Bühne zugewand sind, hallt durch die weit unter Club-Lautstärke eingestellten Boxen ein Mix aus Beats und Oldies.

Gegen Ende skandiert dann doch mehr als das halbe Publikum „Bilderbuch“, ehe das Duo Hoe Mies die Bühne verlässt. Die Stimmungsmacherei scheinen die beiden also drauf zu haben.

Rund eine halbe Stunde später ist es dann für Bilderbuch selbst an der Zeit, sich zu beweisen. Ein aktualisiertes Bühnenbild, das scheinbar völlig auf Sneaker verzichtet – wie ist das möglich? – hüllt die Band plus Show-Drummer in einen referenziellen Meta-Rahmen, der kaum mehr 2019 sein könnte.

Ein riesiges, flauschiges Herz auf dem Boden, leuchtende Globen und riesige EU-Sterne prägen nur den Hintergrund des Ensembles, das zentral außerdem noch einen Kühlschrank und einige Lava-Lampen platziert.

Frontmann Maurice Ernst scheint sich kaum wohler fühlen zu können. In wallendem Gewand und weiten Hosen schreitet der Sänger auf und ab, gibt den Massen was sie wollen.

„Mein Herz Bricht“ und „Memory Card“ und die supermoderne Liebe bringt Ernst mit einem süffisanten Lächeln rüber, das immer wieder von ehrlichem Grinsen unterbrochen wird. Wie die Musik eben – man weiß nicht genau, was jetzt ernst gemeint ist, aber es passt alles genau zu dem, was man erwartet.

Mit „Bungalow“ beginnt dann auch der letzte im stehenden Publikum damit, die Texte mitzubrüllen. Ernst klettert auf die Startrampe und wieder runter, Ballons fliegen ins Publikum und wieder zurück auf die Bühne.

Gitarrist Michael Krammer und Maurice Ernst drehen sich ganz nach dem Vorbild des an der Decke hängenden Saturn umeinander und lassen ihre Gitarren aufeinander antworten.

Der Sprung ins Publikum fällt kaum als Höhepunkt ins Gewicht, weil die Band durchgehend mit einer derart hohen Intensität auftritt, dass selbst ein Stage-Dive nur ein kleiner Teil des euphorisch unbeeindruckten Abends bleibt.

Man merkt Bilderbuch an, dass sie sich mittlerweile einen großen Kredit angesammelt haben. Schon die letzten beiden Alben deuteten an, dass in der ganzen Meta-Musik der Wiener die Nuance zurückkehren darf.

Statt die eklektische Kulisse zum Ebenbild eines ebenso zusammengewürfelten Abends voller Pop-Hammer werden zu lassen, verliert sich die Band jetzt häufiger in freier Performance, in neuen Liedern wie „Frisbee“, die auf einem niedrigeren Aufgeregtheitslevel stattfinden als zum Beispiel „Superfunkypartytime“, das in der Setlist komplett fehlt.

„Maschin“ schließt das Hauptset dann konsequenterweise nicht ab, sondern „LED Go“. Und auch wenn der unveröffentlichte Songs „Mr. Refrigerator“ – dafür stand das gute Smeg-Stück also da – wieder nach einem Track klingt, der in ein paar Monaten direkt mit den Wienern assoziiert wird, beweisen Bilderbuch an diesem Abend doch, dass sie ihre eigenen Versuche, den Zeitgeist möglichst authentisch zu karikieren, mittlerweile transzendieren, ohne sich aus der angenehmen Blase um Spliff und Soft-Drinks verabschieden zu müssen.

Wohin das noch führt? Grenzen kennen und wollen die Österreicher nicht. Pop-Musik kann kollektive Visionen schaffen und der heutige Abend ist nur ein weiterer kleiner Schritt dahin.

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