Oscar Scheller – HTTP 404

Wenn ein Album schon „HTTP 404“ heißt, ist es nicht verwunderlich, dass es sich auch mit allen Höhen und Tiefen des digitalen Zeitalters befasst. Oscar Scheller verbindet diese Thematik auf seiner neuen, zweiten Platte mit einer poppigen Leichtigkeit und ziemlich viel Ironie.

“I’ve been gone for a minute, trying to find myself, and I think I did. I also found a lot of friends along the way.“, sagte der Künstler selbst über sein neustes Werk. Davon, dass er tatsächlich eine ganze Horde von Freunden gefunden hat, zeugt auch „HTTP 404“:

Von den 11 Tracks gibt es gerade mal einen ohne Feature, der Rest sind Collabs mit mal mehr, mal weniger bekannten Musiker*innen.

Eines der Highlights davon ist „1%“ – und das nicht nur wegen dem wohl berühmtesten Gast der LP, Lily Allen. Scheller und die Sängerin skizzieren auf diesem Stück das Bild einer Beziehung, wie sie nur im 21. Jahrhundert möglich ist:

Möglichst viele Freiheiten bei möglichst wenig Verpflichtung, Kommunikation über einen Bildschirm und die Hoffnung, dass der Handyakku jetzt bitte nicht abschmieren möge, weil man sich ja doch noch einiges zu sagen hätte.

Überhaupt sind die Songs auf „HTTP 404“ Schnappschüsse, die den Zeitgeist ziemlich gut einfangen. Dabei setzt Scheller weniger auf Kohärenz der Platte als auf möglichst viele verschiedene Eindrücke:

Mangelndes Selbstbewusstsein („Confidence“ mit Ashnikko), das Leben als Videospiel (Opener „1UP“ mit Sarah Bonito), Depressionen (das genial-sarkastische „Happy Meals“ mit Mathilda Homer), all das sind Themen, die der Musiker verarbeitet.

Und damit die schwere Materie einem nicht zu arg auf den Magen schlägt, wird das Ganze in einen generell doch ziemlich positiven Sound verpackt.

„HTTP 404“ ist so gewissermaßen ein Wolf im Schafspelz. Schellers Scharfzüngigkeit ist oftmals so subtil und gut versteckt, dass sie einem fast entgeht, zumal ein Großteil der Stücke echt radiotauglich klingt.

Man muss schon beide Ohren gewaltig weit aufsperren, damit man nicht Gefahr läuft, die Platte in die Sparte „substanzlos“ zu stecken – es lohnt sich aber.

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