The Lemon Twigs – Songs For The General Public

Schon auf dem Cover von „Songs For The General Public“ sehen die Lemon Twigs aus, als seien sie aus einer anderen Zeit entsprungen, wenn nicht sogar aus einer weit entfernen Galaxis.

Auch musikalisch bestätigt sich dieser Eindruck auf dem mittlerweile dritten Studio-Album der D’Addario-Brüder und entführt in eine Zeit, in der Musikhelden noch Weirdos statt polierter Pop-Sternchen waren.

Dabei lassen The Lemon Twigs gleich mehrere Referenzen laut werden. Da wäre eine Prise Iggy Pop, der kurzerhand zusammen mit Bruce Springsteen ins abgerockte Cabrio springt und bei Opener „Hell On Wheels“ die Zwänge der Engstirn-Gesellschaft mit schnoddrigem Gesang und einem lässigen Schulterzucken hinter sich lässt.

Als Springsteen zu Beginn von „Moon“ während des Mundharmonika-Intros nochmal kurz in den Rückspiegel schaut, stehen The Who zu ihren pompösesten Zeiten am Straßenrand und schauen Ziggy Stardust dabei zu, wie er glamourös wie federleicht zum Mondaufgang Richtung anderer Planeten aufsteigt.

Dazu singen die Lemon Twigs Songzeilen, die so anrühruig wie seltsam sind: „They say the moon looks a lot / Like a toe nail tonight / So you hope it don’t disappear / ‘Cause there’s something about walking around / In the pale moonlight / Make you feel like you gonna get out of here“, bevor Springsteen leise auscheckt und Richtung Highway fährt.

Man merkt – auch bei „Songs For The General Public” ist der Name keinesfalls Programm, denn die Musik der Lemon Twigs ist und bleibt in gewisser Hinsicht eine Absurdität.

Aber was soll man auch erwarten, bei einer Band, deren letzte Platte auf einer fulminanten Glam-Rock-Oper basierte, die sich inhaltlich mit einem Affen und seinem menschlichen Vater auseinandersetzte?

Egal, ob gefühlt aus einem Disney-Musical entsprungen („Why Do Lovers Own Each Other“), aus dem Backkatalog eines alten Schlagergesteins stibitzt („Hog“) oder offensichtlichster Schmachtfetzen, der genügend Fett fürs Gemüseschnitzel zum Abendessen produziert und dazu noch „Ashamed“ heißt:

Jeder Song auf „Songs For The General Public“ ist eine Überraschung und überzeugt mit seiner verqueren Eigenheit – wenn man sich denn darauf einlässt.

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