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Jeremy Gara (Credit Invada)

Jeremy Gara (Arcade Fire) – Passerine Finale

Im Musikgeschäft ist es zur Regel geworden, dass eine überlebensgroße Band auf ihrem Zenit (oder danach) in Einzelteile zersplittert und die Beteiligten zwischenzeitlich gefühlt ein Buch, zwei Filme und eine Handvoll Soloplatten veröffentlicht. (Die Foo Fighters ausgenommen, weitere Beispiele gerne an die Redaktion)

So geschehen auch und gerade bei Arcade Fire. Schlagzeuger Jeremy Gara ist im Begriff, sein zweites Soloalbum zu veröffentlichen, das von seiner Hauptband kaum weiter entfernt sein könnte.

Nachdem Frontmann Win Butler sich als DJ in ein Weltmusik-Korsett zwängte, Keyboarder und Gitarrist Richard Reed Parry im Art-Pop-Folk mäanderte, erforscht Jeremy Gara erneut weltfremde und stellenweise aus Horror gestrickte Klangwelten, die der lebensnahen Sezierung des Indie-Rock von Arcade Fire keinen Millimeter Platz einräumen.

„Passerine Finale“ ist ein Fanal für Weltflüchtige, die ein solches Unterfangen nicht zwingend als erholsame Auszeit missbrauchen. Entstanden im Laufe der vergangenen drei Jahre und vom norwegischen Jazz-, Rock- und Ambient-Musiker Helge Sten gemastert, hatte Gara nie vor, Songs zu schreiben.

Ihn interessiert viel mehr das wabernde Unheil für apokalyptischen Sci-Fi, wahlweise in Form von quälender Monotonie. Oder auch, wie im vorab veröffentlichten „Wraith“, das beklemmende Gefühl von intergalaktischer Unendlichkeit.

Man kann den Störgeräuschen bloses Unverständis entgegenbringen, und schade finden, dass eben dieses und alle anderen Soloprojekte die Zeit für ein neues Aracade-Fire-Meisterwerk rauben, wo doch mitglieder-übergreifend keine einzige Einzeltat auch nur im Ansatz an „Neon Bible“ und Co. heranreicht.

Oder man sieht es positiv, und weiß die Lust für Abstraktes zu schätzen, die dadurch zunächst auf ein größeres Publikum trifft, als das bei Newcomern der Fall wäre.

Es gäbe schließlich noch mehr Indie-Millionäre, die sich – finanziell abgesichert – in der Lage wähnen könnte, mit Soloalben richtig weit raus zu gehen und zu veröffentlichen, wonach ihnen der Sinn steht.

Man muss es letzlich aber nicht nur machen, sondern auch verkraften, dass das womöglich kaum einer hören möchte.

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