Da münden viele Ströme in etwas Neues – La Femme im Interview

Mit ihrer Surf-Rock-Adelung “Psycho Tropical Berlin” setzten die Damen und Herren der französischen Pop-Hoffnung La Femme im Jahr 2013 ein erstes dickes Studio-Ausrufezeichen. Etliche Konzert-Highlights und ein Psych-Disco-Feuerwerk namens “Mystère” später melden sich die beiden La Femme-Gründer Sacha Got und Marlon Magnée nun endlich mit ihrem langersehnten dritten Album “Paradigmes” zurück. Wir trafen uns mit Marlon Magnée zum Interview und sprachen über Banjos, Trompeten, Eminem und Berlin.

MusikBlog: Marlon, Anfang April erscheint endlich euer drittes Studioalbum “Paradigmes”. Die Veröffentlichung eures letzten Albums “Mystère” liegt bereits vier Jahre zurück. Warum hat es diesmal so lange gedauert?

Marlon Magnée: Wenn ich könnte, dann würde ich alle zwei Monate ein neues Album veröffentlichen. (lacht) So eine Albumproduktion lässt sich manchmal nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln. Mal geht es schneller, mal dauert es etwas länger. Diesmal hat es leider etwas länger gedauert. Man darf auch nicht vergessen, dass wir nach der Veröffentlichung des letzten Albums unheimlich viel unterwegs waren. Und dann gibt’s ja auch noch die Corona-Problematik.

MusikBlog: Letztere hat euch als Band wie sehr geschadet?

Marlon Magnée: Nun, ich kann nur schwer beurteilen wie andere Bands und Künstler damit umgehen. Aber ich denke, es liegt auf der Hand, dass unsere Branche extrem unter den derzeit geltenden Bedingungen leidet. Natürlich haben auch wir große finanzielle Einbußen zu verzeichnen. Für eine Band, die viel live unterwegs ist, ist diese Zeit eine sehr große Herausforderung.

MusikBlog: Wie herausfordernd war die Produktion eures neuen Albums? Wenn man sich die neuen Songs anhört, scheint es fast so, als wolltet ihr in punkto Soundvielfalt noch einmal eine Schippe drauflegen.

Marlon Magnée: Ja, das trifft es ziemlich gut. Ich glaube, dass wir auch in der Vergangenheit schon unheimlich viel ausprobiert und experimentiert haben. Diesmal wollten wir, in der Tat, noch einmal etwas detaillierter und noch offener zu Werke gehen. Ein Song wie “Force & Respect” dient da als perfektes Beispiel. Da münden ganz viele unterschiedliche Ströme in etwas ganz Neues.

MusikBlog: Wer kam auf die Idee, Banjos und Trompeten mit einzubauen?

Marlon Magnée: Ich weiß gar nicht mehr so genau. Das sind Dinge, die sich bei uns einfach so ergeben. Wir sind da alles andere als festgefahren. Egal, ob es um neue Instrumente oder um neue Stimmen geht: Manchmal entwickeln sich bestimmte Visionen erst mit der Zeit. Manchmal ist es aber auch so, dass man morgens aufwacht und genau weiß, mit wem und wie man einen ganz bestimmten Song angehen will.

MusikBlog: Lass uns kurz beim Thema Zusammenarbeit bleiben. Wenn du die freie Auswahl hättest: Mit wem würdest du in Zukunft gerne mal gemeinsame Sache machen?

Marlon Magnée: Oh, da gibt es eine ganz schön lange Liste, denke ich. (lacht) Mit Daft Punk hätte ich gerne mal was gemacht. Und mit Eminem. Ja, Eminem wäre ein Traum. Vielleicht klingt diese Konstellation ein bisschen ungewöhnlich. Aber ich denke, das würde bestimmt gut passen.

MusikBlog: Eminem? Ja, warum auch nicht… Woher holt ihr euch eure Inspirationen?

Marlon Magnée: Das ist ganz unterschiedlich. Auf diesem Album sind auch einige deutsche Inspirationen mit eingeflossen.

MusikBlog: Zum Beispiel?

Marlon Magnée: Ich liebe die Art und Weise, wie man in Deutschland miteinander umgeht. Insbesondere in Berlin habe ich diesbezüglich sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich war da mal im KitKat-Club zu Gast. Das war eine unglaubliche Erfahrung für mich. Das ist ja ein sehr exzessives und extrovertiertes Fleckchen in Berlin. Aber es gab nicht eine Sekunde, in der sich irgendwer oder irgendwas in irgendeiner Form aufgedrängt hat. Alle haben zusammen gefeiert. Niemand wurde angegrapscht. Da war so viel nackte Haut. Aber es gab deswegen überhaupt keinen Stress. Diese Freiheit habe ich sehr genossen.

MusikBlog: Ihr lebt und arbeitet in Paris. Geht es in der Stadt der Liebe nicht ähnlich offen zu?

Marlon Magnée: Paris ist eine großartige Stadt, keine Frage. Aber in Berlin pflegt man einen ganz besonderen Umgang mit den Menschen. Da herrscht eine ganz sehr exklusive Atmosphäre untereinander. Ich würde fast schon behaupten, dass das einzigartig auf der Welt ist.

MusikBlog: Dann drücken wir ganz fest die Daumen, dass es euch bald mal wieder nach Berlin verschlägt.

Marlon Magnée: Ja, das wäre toll. Die Zeit gerade ist wirklich anstrengend. Niemand weiß, wann die Normalität zurückkehrt. Wir können und müssen einfach nur durchhalten.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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