Resistance Is Futile“ war vor drei Jahren eine grundsolide rockende  Platte der Manic Street Preachers, wenngleich nicht diejenige, die in Verbindung mit der Band vorrangig genannt werden wird.

Für Longplayer Nr. 14 wollte man einen neuen Weg gehen, die 11 Songs, von James Dean Bradley am Klavier (Premiere) komponiert hat, huldigen von Abba bis Talk Talk jenen Altvorderen, die maßgeblichen Einfluss auf die musikalische Sozialisation der Waliser hatten.

Und weil sich diese Idee mit dem Fundus aus der üppigen eigenen Asservatenkammer gut kombinieren lässt, ist „The Ultra Vivid Lament“ ein von Reminiszenzen durchsiebtes Album, das poplastig Manic-Street-Preachers-Typisches in sich trägt, aber eben auch nicht verleugnen will, wessen musikalischer Geist Pate stand.

Der Sound dieser Tage wird von Nicky Wire als „retro-futuristisch“ eingeordnet, daneben bleibt ihr Anspruch unbeugsam, der Musik gesellschafts- und geopolitisch brisante Themen mit auf den Weg zu geben.

Die erste Single „Orwellian“ befasste sich mit der Dauerbefeuerung via Social Media, die zum rückwärtsgewandten Verhalten ratloser Adressaten bis zur Spaltung der Gemeinschaft führt – „Don’t Let The Night Divide Us” die symbolische Warnung an anderer Stelle.

Der epischen Neigung der Manics folgt Einsteiger „Still Snowing In Sapporo“, eine Reprise ihrer 1993er Japan-Tour, in satten sechs Minuten, deren harmonisches Miteinander von Gitarre und Synthies nahtlos auf „This Is My Truth Tell Me Yours“ einen Platz gefunden hätte.

Im weiteren Verlauf wird „The Secret He Had Missed“ mit Hilfe der Stimme von Julia Cumming (Sunflower Beans) zum Power-Duett, sticht „Blank Diary Entry”, dem Mark Lanegan seinen dunklen Pathos aufdrückt, als Highlight aus einer Platte heraus, der es schwer fällt, mit ihrem Konzept das Spannungslevel hoch zu halten.

Es gibt von „Quest For Ancient Colour” bis „Into The Waves Of Love” einige Längen, die auch die aufwendige Produktion nicht auffängt, und der Rausschmeißer „Afterending“ kann nur unter Zugutehalten all ihrer Großtaten durchgewunken werden.

Ein neues Referenzalbum ist den Manic Street Preachers mit „The Ultra Vivid Lament“ nicht gelungen, aber sicher auch keines, mit dem sie an Relevanz signifikant einbüßen würden.

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