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Karen Peris – A Song Is Way Above The Lawn

Man kann Karen Peris nicht vorwerfen, kreativ unausgelastet zu sein: Erst im Vorjahr brachte die Songschreiberin mit ihrem Hauptprojekt The Innocence Mission, das sie mit Ehemann Don bereits seit über 30 Jahren betreibt, das mittlerweile 12. Studioalbum “See You Tomorrow” heraus.

Seit 1989 hat sich die Band sowieso erst als Indie-Pop-, dann ab den Neunzigern als Folk-Band einen Kultstatus erspielt, der jedoch nie große Kreise zog: Die Eheleute Peris sind eher die Lieblings-Folk-Künstler der eigenen Lieblings-Folk-Künstler, bekommen längst nicht die Anerkennung, die sie mit ihren Werken eigentlich verdient hätten.

So lobt etwa Singer-Songwriter-Gigant Sufjan Stevens The Innocence Mission seit jeher, zelebriert die ruhigen, träumerischen und minimalistischen Dream-Folk-Klänge, sowie Karens Songwriting und beschreibt insbesondere ihre lyrische Wortwahl als “bewegend und tiefgründig”.

Zwar unterstreicht Peris als Haupt-Songschreiberin bei The Innocence Mission ihre beneidenswerten Fertigkeiten immer wieder und hat schon längst nichts mehr zu beweisen, dennoch ist “A Song Is Way Above The Lawn” nach dem 2012er Erstlingswerk “Violet” bereits ihre zweite Soloplatte.

Der “Solo”-Part ist dabei nicht ganz eng zu fassen, denn das Album, das die Musikerin über sieben Jahre schrieb, ist das familiärste Werk im Hause Peris: Nicht nur Partner Don hilft bei der Instrumentierung, sondern auch ihre beiden Kinder Drew und Anna sind an Geige und Bratsche zu hören.

An der Oberfläche sorgt das zauberhafte Zusammenspiel aus Klavier, gelegentlichen Gitarren und Streichern nicht unbedingt für eine klare musikalische Abgrenzung zur Hauptband. Nötig ist das allerdings auch nicht, denn die klangliche Wunderwelt, die entsteht, funktioniert einfach – ganz gleich, in welchem Kontext.

Strukturell findet man sich hin und wieder in leicht klassischen Gefilden, an poppigen Strophe-Chorus-Songs ist Peris weniger interessiert. Die Stücke fließen gerne vor sich hin und wollen nicht ins Ohr gehen, sondern direkt und, im Gegensatz zum etwas melancholischeren Ton von “Violet”, wohlig-warm ins Herz.

Mit kleinen Melodien, sowie den dezenten Arrangements behandelt Peris’ hohe, helle und weiche Stimme kleine, zuerst unscheinbare Alltagsmomente: “To The Library” etwa beschreibt das seelenruhige Bücherschmökern mit Freunden, in “This Is A Song In Wintertime” geht es um das Warten vor einem Kino vor verschneiter Kulisse.

Laut Peris ist “A Song Is Way Above The Lawn” insbesondere für Kinder und Familien im Sinn entstanden. Beim Durchhören der zehn Songs wird schnell klar, dass damit gewiss keine stumpfe, simplifizierte Musik beschrieben ist, die Kinder auf einfachste Art und Weise irgendwie stimulieren soll, sondern dass es ihr eher um kindliche Neugier geht, um das Entdeckertum in jungen Jahren, ebenso wie das Auge für Kleinigkeiten und winzige, jedoch prägende Momente.

Das Album führt behutsam und mit sanften Akustik-Klängen durch die Welt, ermutigt zum Betrachten und Bewundern der Umgebung im Detail, beschreibt und erklärt die Schönheit und Faszination des Alltäglichen – da möchte man glatt wieder Kind werden.

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