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Phew – New Decade

Konventionen ändern sich, Geräusche bleiben gleich. Phew, die schon seit über 40 Jahren die japanische Untergrund-Noise-Szene prägt, hat das erkannt, und macht auch auf “New Decade” genau das: Geräusche.

Wie zeitgenössisch das klingen kann, eröffnet sich erst, wenn man sich selbst den obskuren Klängen auf Phews aktuellen Tonträger öffnet. Aber wo soll man da anfangen?

Zuallererst sollte man sicherstellen, dass sich die eigene Umwelt nicht aufdrängt. Je mehr äußere Impulse und Sinne beim Hören von “New Decade” ausgeblendet werden können, desto mehr bleibt von Phews reiner Musik übrig.

Die teils klaustrophobischen und voyeuristischen Klänge auf “New Decade”, die wie durch mehrere Wände gefiltert und verzerrt wirken, würden sonst wahrscheinlich so wahrgenommen wie die leicht entrückten mechanischen Klänge des Alltags.

Phews Album würde dann, bei einem Spaziergang durch die Großstadt etwa, oder beim Blick auf das Smartphone schnell zur akustischen Version des Cyberpunk mutieren, zur Gegenwartsparanoia. Was in seiner futuristischen Vision auch mit dem Titel des Albums vereinbar wäre, dringt bei genauerem Hören aber in den Hintergrund.

Wie geht’s also weiter? Man sollte sich dem Gedanken öffnen, dass selbst die abstrakten Klänge auf “New Decade” Aussagen über die eigene Existenz treffen können. Denn nicht selten, und zum Beispiel in “Snow and Pollen”, scheint Phew an der vertonten Schwerelosigkeit zu werkeln.

Sie zeichnet ein Bild von unerlebten Weiten und Tiefen, die Bilder evozieren, die dem Cyberpunk kaum ferner sein könnten. Kubrick’sche Visionen werden auf “New Decade” erst zu Geräuschen, dann zu Musik und schlussendlich zum Blick nach Innen.

Was am Ende übrig bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein Ausblenden sämtlicher Sinne das eigene Bewusstsein näher an das bringt, was Phew mit “New Decade” vertont, als es jedes existente Bild machen könnte.

Und wenn die eigene Fantasie mitspielt, kommt man vielleicht sogar dem Bild nahe, dass Phew bei der Komposition dieses Albums vor Augen hatte – nur wahrscheinlich mit geöffneten Augen.

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