Die Masquerade des Berliner DJs und Produzenten Claptone wird immer seichter. Auf „Closer“ trennt ihn nicht mehr viel vom Schlager-Pop.

Die Aficionados der Effektmusik wird es freuen: Kein Sound, keine Harmoniefolge, kein Beat, einfach nichts, das man nicht schon so gut kennen würde, um mit “Closer” zu fremdeln.

Menschen, die sich pedantisch nach Stabilität und Sicherheit sehnen, würden Claptone vermutlich auch zum Kanzler machen. Die Bassdrum auf eins, die Snare auf zwei, darauf kann man sich jederzeit verlassen.

So sehr, wie auf Claptones venezianische Schnabelmaske, die ihm den Hauch des Mysteriums verleiht und seine wahre Identität verschleiert. Ein Move, den seine Kunst gar nicht hergibt. Denn mysteriös daran sind höchstens die Verkaufszahlen.

Von denen möchten wiederum nicht wenige etwas abhaben und stehen Schlange, um in einer der Songs eine simple Melodie aus möglichst wenigen Tönen zu singen.

Der amerikanische Pop-Greis Barry Manilow etwa bekommt einen belanglosen Funk-Pop-Auftritt in „Nobody“, Seal darf mit „Just A Ghost“ auf vier Minuten Anschub für seine eingerostete Karriere hoffen. Und selbst Peter Bjorn And John sind sich nicht zu schade, mit “Satellite” auf die Dance-Pop-Schnauze zu fallen.

Dabei waren sie doch bereits 2015 auf Claptones „Charmer“ reichlich deplatziert. Damals war auch Nathan Nicholson von der britischen Rockkapelle The Boxer Rebellion schon dabei. Sechs Jahre später darf er wieder ran, um die sinnvollste Zeile der Platte zum Besten geben: „Make love not war, and lose yourself on the dancefloor.“

Häufig sind die nicht deutschen Texte das Einzige, das diese Musik noch davon abhält, bei Florian Silbereisens Schlagerfest in der Westfalenhalle stattzufinden. Für die dort im Akkord geschwungenen Klatschpappen könnte „Closer“ kaum besser sein.

Insofern: Macht es im Club oder unter euch aus, aber halt nicht auf einem Album!

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login