Damon Albarn – The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows

„Ich bin der Musikant mit Taschenrechner in der Hand“ – früh antizipierten die Visionäre von Kraftwerk die Arbeitsweise kommender Künstlergenerationen.

Auch Gorillaz-Papa Damon Albarn hat seinen Comic-Helden bekanntlich schon ein ganzes Album auf dem Tablet komponiert, dato kommt der Blur-Frontmann, der auch mit The Good, The Bad & The Queen veröffentlicht, mit dem Entstehungsprozess vom Nachfolger seines 2014er Solo-Debüt „Everyday Robots“ konventioneller daher.

„The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ huldigt, inspiriert vom Werk des englischen Naturdichters John Clare, der gewaltigen Natur seiner isländischen Wahlheimat, deren Staatsbürgerschaft er mittlerweile besitzt.

Ursprünglich als orchestrales One-Track-Werk geplant, erwischte der aus Isolation generierte Pandemie-Blues auch ihn. Die initiale Idee zerfaserte in 11 Teile, die nicht im rauen Norden, sondern in einer zum Studio umfunktionierten Scheune in seinem südenglischen Lockdown-Domizil Devon ihre jetzige Fassung bekamen.

Auf eine „ganz eigene dunkle Reise“ hat sich der Protagonist für diese Produktion begeben und schlussfolgerte für sich, dass „es vielleicht doch so etwas wie einen reinen Ursprung gibt.“ Entsprechend erzählen die Stücke von Fragilität und Existenzangst, vom Werden und Vergehen im Spiel der Elemente.

Damon Albarn entwirft eine differenzierte Stimmungslage, die von der Stille sagenumwobener Orte bis zum dramatische Tosen an ihren Küsten viele Facetten der skandinavischen Insel erfasst.

Die Arrangements tarieren experimentierfreudig harmonische Klänge mit sperrigen Kontrapunkten aus, verbinden Feldaufnahmen plätschernder Wasserläufe, Stimmgewirr und klappernde Türen mit synthetischem Equipment.

„The Cormorant“ platziert dezent ein jazziges Piano in der Ecke, mit „Royal Morning Blue“ schlägt „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ einen poppigen Haken, um direkt im Anschluss via „Combustion“ in ein fiebriges Kontrastprogramm zu wechseln.

Die Stille von „Daft Wader“, die Melancholie von „Darkness To Light“, die Zuversicht von „The Tower Of Montevideo“, das intime Klavier in „Giraffe Trumped Sea“ und die übermütige Leichtigkeit von „Polaris“ – ein Album, das beeindruckt wie der Felsbrocken auf dem Cover.

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