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hackedepicciotto – The Silver Threshold

Hausmusik ist nicht unbedingt state-of-the-art, umso schöner, wenn die, die es praktizieren, gestandene Künstlerpersönlichkeiten sind, deren Arbeit die Kulturszene der vergangenen Dekaden maßgeblich prägte.

Danielle de Picciotto, kreative Multitaskerin, beteiligt am Werden von Love-Parade und Ocean Club, und der umtriebige Alexander Hacke, existenziell am Bass von Einstürzende Neubauten, haben neben ihrem gemeinsamen Wirken (The Ministry Of Wolves, Crime & The City Solution, etc.) als hackedepicciotto bereits mehrere Alben veröffentlicht.

Mit „The Silver Treshold“ feiert das Paar Mute-Premiere und zieht darauf wieder alle Register ihres musikalisch-visionären Know-hows, schließen die in aller Welt gesammelten Inspirationen (nachzuhören u.a. in der Doku „Crossing The Bridge – The Sound Of Istanbul“) in ihr neues Werk ein.

So ruinös die Folgen der Pandemie für Künstler waren und sind, so viel kreative Kraft scheint die Corona-Zeit zu generieren. Hacke erkannte in den Einschränkungen und der damit verbundenen Notwendigkeit, sich einzuschränken, eine Menge Potential, die Gratwanderung, auf dem sich die Welt mit allem Erstrebenswerten in ihr inzwischen bewegt, kompositorisch darzustellen.

In 40 Minuten findet sich viel von den Vorstellungen, mit denen die Urheber*innen Musik  in ihren bisherigen Karrieren ausstattete. Drone, Industrial, unkonventionelles Instrumentarium, Feldaufnahmen, chorale Gesänge Orffschen Kalibers, verstörende Collagen und symphonische Breite vereinen sich in den zehn Kapiteln dieser Platte.

Nach der sich langsam verdichtenden „Ouvertuere“  nimmt das Titelstück Fahrt auf, zieht  „Meteor’s Reign“ eine tiefe Furche zwischen die Töne, transportiert „Babel“ (der Ort, dessen alttestametarische Bedeutung von Hacke und Einstürzende Neubauten bereits auf “Ende Neu” interpretiert wurde) eine unbehagliche Dramaturgie, beeindruckt „Trebbus“ mit geballter Wucht.

Hinter jedem Strich der Violine von „Journey East“ und „Kirchhain“ lauert latente Gefahr, die „Meeres Stille“ kann das Szenario wenig beruhigen, wie ein tröstlicher Kontrast wirkt da die Zärtlichkeit von „Evermore“, für beide ein Debüt als Liebeslied-Interpreten.

Alexander Hacke beschreibt die Beziehung mit Danielle de Picciotto als symbiotisch, eine Verbindung, die „The Silver Treshold“ anzuhören ist.

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