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Spector – Now Or Whenever

Beruhigt euch, der Hype geht vorbei. Der Londoner Vierer Spector arbeitet mit seinem dritten Studioalbum gezielt darauf hin.

Die englische Presse hat, wie im Falle von Spector, schon mehr Hypes wie Säue durchs Dorf getrieben, als es Dröge gibt. Und so schnell sie durch sind, so schnell sind sie meist vergessen.

„Now Or Never“ blüht genau dieses Schicksal: Debile Stadionpop-Brüllerei, grauenvoll überproduziert. Ein bisschen was von The Killers, Hot Fuss, Editors, White Lies, We Are Scientists und eine Million weitere Referenzen.

Für jede Note finden sich auf dieser Platte so viele Vorstreiter – wäre „Now Or Whenever“ eine Wahlkampfkandidatin, sie stünde unter massivem Plagiatsverdacht. Doch wofür das alles, wenn die Songs dann noch nicht mal im Ansatz ihren Referenzen nahe kommen?

Bereits der erste Track „Catch You On The Way Back In“ protzt mit sterbenslangweiligem Synth-Rock. Hört die Folter in Form dieses leidigen Genres jemals auf? Tocotronic: „Die Folter endet nie!“ 2022: „Noch immer Pandemie!“

Wir hören Musik, oder besser gesagt Plattitüde, für Leute, die heute noch Gel in den Haaren tragen. Die theoretisch Von und Zu heißen, oder als Carl Theodor Mach-mich-schlau Doktortitel kaufen.

Dabei sehen die vier Typen von Spector eigentlich aus wie aus einer neuen Staffel „Sex Education“: „Cause everyone’s a loser, when there’s nothing left to win.“, singt Frontmann Fred Macpherson auch prompt eine für die Show geeignete Zeile.

Im weiteren Verlauf schieben sich die Synth-Wände, die noch vom Debüt über waren, in den Hintergrund. Der überkochende Stadionrock-Vibe macht es noch seichter. “No one wants to rebel without cause”!

Frontmann Fred Macpherson, der den Briten durch seine Boulevard-Auftritte ans Herz gewachsen ist (dort ging es jedoch selten um seine Musik, sondern um die noch stumpferen Stories über seine Beziehung zu Bob Geldofs Tochter Peaches), er singt in „D-Roy“ so tief, dass Tom Smith in diesem Moment an sich zweifelt.

Spector reihen sich mühelos ein in die neue Londoner Indie-Überheblichkeit um Bands wie The Vaccines oder Mystery Jets, die mit ihren Alben-Titeln nie so tief stapeln können, wie sie gerne gehandelt werden möchten.

Und die letztlich, abseits des Boulevards, dann doch keine Sau braucht, selbst wenn sie wie ein Hype durchs Dorf gejagt wird.

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