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Cate Le Bon – Pompeii

Aus einem „ununterbrochenen Vakuum“ heraus komponiert Cate Le Bon ihren Umgang mit der doppelten Katastrophe: Pandemie und Klimakrise. Dabei entsteht selbstverständlich keine Zuckerwatte.

Trotzdem ist „Pompeii“ weder so sperrig und gegängelt, wie die Thematik vermuten würde, noch beseitigt die einzigartige Stimme des walisischen Wunderkindes jeden Zweifel. Dafür sorgen mindestens die Texte: “Did you see me putting pain in a stone”, “I’m kicking at the corner/ Recycling air”.

Nachdem Cate Timothy, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, zuletzt das Deerhunter-Album „Why Hasn’t Everything Already Disappeared“ produzierte und gegenwärtig an der neuen Platte von Devendra Banhart arbeitet, ist ihr sechstes Album ein waschechter Alleingang.

Außer Schlagzeug und Saxofon spielt Le Bon jedes Instrument ihrer am Bass geschriebenen Songs selbst. „Pompeii“ wirkt wohl auch deshalb deutlich gedämpfter als viele ihrer früheren Werke. Wo eine gewisse Verspieltheit in den Arrangements lag, klingen die langsamen und strengen Songs hier, als würden sie das Gewicht der Welt auf ihren Schultern tragen.

Im Opener „Dirt On The Bed” streiten knarzende Bläser um Atonalität. Die Klaustrophobie von David Bowies Spätwerk „Blackstar“ klingt nicht nur an dieser Stelle an.

Doch sind – je nach Perspektive – die gelegentlichen Durchschnittshörer oder die durchschnittlichen Gelegenheitshörer mit dem ersten Song erstmal ausgesiebt, versteht sich „Moderation“ auch prompt deutlich zugänglicher.

Die schiefen Bläser haben im Hintergrund partiell noch immer ihre Freude, den Art-Pop zu unterrühren, machen aber Raum für ein prägnantes Gitarrensolo in „Remembering Me“, eine relative Leichtigkeit in „Harbour“ und gelegentlichen Anklänge an Julia Holter.

Am Ende wird „Pompeii“ deshalb auch daran gemessen werden, wie viel angenehmer es sich mit dieser Platte der doppelten Katastrophe trotzen lässt.

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