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Johnny Marr – Fever Dreams Pts 1-4

Dafür, dass The Smiths seit 35 Jahren Geschichte sind, herrscht noch immer reichlich Kakophonie zwischen ihren Protagonisten, erst kürzlich untersagte Morrissey Johnny Marr per offenen Brief, ihn in Interviews namentlich zu erwähnen.

Der Gossip, dass dessen Antwort auf Twitter postwendend folgte, fokussiert auf die musikalische Datenlage, stand für den Mozzer 2020 mit „I Am Not A Dog On A Chain“ die Top 3 der UK-Charts zu Buche, sein Ex-Kollege Marr, mit seiner letzten Ausgabe „Call The Comet“ in der Heimat ebenfalls einstellig chartend, legt dato „Fever Dreams Pts 1-4“ vor.

Der nach dem Ende der 80er-Ikonen stets, in jüngerer Vergangenheit via Billie Eilishs Bond-Song „No Time To Die“, präsente Meistergitarrist bündelt 4×4 Songs zu Solo-Album Nr. vier, liefert darauf ein griffiges Konglomerat seiner musikalischen Affinitäten der letzten Jahrzehnte.

Wie breit Johnny Marr aufgestellt sein wird, war dem Electro-Soul-Booster „Spirit Power And Soul“ bereits weit vorab anzuhören, im Verlauf der Platte werden flächige Keyboards an sein Zusammengehen mit Bernard Sumner bei Electronic denken lassen. Die Nummern grooven manchmal, als wäre Shaun Ryder mit Black Grape zugange.

Mit Co-Produzent James Doviak war ein alter Buddy maßgeblich am Endprodukt beteiligt, auch mit Iwan Gronow und Jack Mitchell sind langjährige Teammitglieder an Bord, unterstützt von dynamischen Gastauftritten der Primal-Scream-Bassistin Simone Butler und dem Background-Gesang von Meredith Sheldon.

„Every day is a fever dream“ konstatiert „Hideaway Girl“. Dass aus dem Album kein solcher wird, dafür sorgt die Kopfnicker-Dynamik von „Sensory Street“, die Coolness von „Tenement Time“ oder die Eleganz von „The Speed Of Love“.

Die sphärischen Synthies von „Rubicon“ gehen in einem erstklassigen Pop-Arrangement auf, neigen „Ghoster“ und „The Whirl“ vor lauter Spielfreude beinahe zum Überhitzen, führt „Human“ das Album zu einem organischen Abschluss.

Dafür, dass der Platz am Mikrofon nicht initial seiner war, ist aus Marr ein versierter Sänger geworden, dessen Stimme seine Stücke variabel inszeniert, inhaltlich Auto- und Fremdbiografisches verbindet, den Glauben an die „Lightning People“ jedoch nie verliert.

„Fever Dreams Pts 1-4“ klingt nach einer Vorlesung zum Thema britische Popmusik, die von Referent Johnny Marr höchst kurzweilig gehalten wird.

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