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Florence + The Machine – Dance Fever

Florence Welch ist König. Zumindest, wenn man den Refrain der ersten Singleauskopplung „King“ wortwörtlich übersetzt. Es liegt nicht nur an dem absoluten Nachdruck, mit dem die Frontfrau von Florence + The Machine besagte Zeilen kundtut, dass man für keine Sekunde an ihrer Behauptung zweifelt.

Mit „Dance Fever“ manifestiert die engelshafte Britin ihren Platz auf dem Thron am Indiehimmel und regiert ihr Königreich mit brutaler Ehrlichkeit, die sie in ausgeklügelte Arrangements packt.

Man sollte sich unbedingt die Mühe machen, über den Tellerrand der Musik zu schauen, auch wenn man sich allein damit schon mehr als zufrieden geben könnte. Aber man sieht dem zugehörigen Artwork oder den Musikvideos die große Liebe zum Detail auf den ersten Blick an und bekommt teilweise sogar noch eine Interpretation auf dem Silbertablett serviert.

So beispielsweise im passenden Clip zum hymnischen „Free“, in dem der britische Schauspieler Bill Nighy Welchs Angst verkörpert, von der sie sich befreien möchte. Wenn man anschließend liest, dass das Video vor dem derzeitigen Krieg in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gedreht wurde, wird einem ob dieser Doppeldeutigkeit schwer ums Herz.

Und spätestens, wenn Welch in den ersten Sekunden zu stampfenden Beats und flirrenden Geigen dermaßen leichtfüßig proklamiert: „Sometimes I wonder if I should be medicated / If I would feel better just slightly sedated“ ahnt man, dass man sich am besten Stift und Papier zur Seite legt, um die ganzen Zeilen aufschreiben zu können, die den Wahnsinn dieser Zeit so auf den Punkt bringen.

„Is this how it is? / Is this how it’s always been? / To exist in the face of suffering and death / And somehow still keep singing?”, trifft Welch nur ein paar Verse später den Nagel erneut auf den Kopf und klingt dabei gleichermaßen so verspielt und frühlingseuphorisch, dass man die besungene Diskrepanz während des Zuhörens am eigenen Leib erfährt.

Um bei der Königsmetapher zu bleiben, kann man die 14 Tracks von „Dance Fever“ getrost als verschiedenfarbige Diamanten des Throngeschmeide bezeichnen. Dabei kommen nicht nur alle Facetten von Welchs Stimme zu Tage, die von zerbrechlich, über lasziv gurgelnd über den Aufforderungscharakter bei „Heaven Is Here“ bis hin zu operesk alles überzeugend verkörpern. Auch musikalisch balancieren Florence + The Machine gekonnt zwischen zurückhaltender Ballade, industriellen Wutausbrüchen und hymnischer Grandezza.

Den Kniefall haben sich Florence + The Machine redlich verdient.

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