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Matt Simons – Identity Crisis

Hits gibt’s und gab’s schon immer in Matt Simons‘ Karriere. Der bisher größte, “Catch & Release” vom 2015 veröffentlichten gleichnamigen Album, hallt sogar noch nach und findet sich auch heute noch in beinahe jeder Playlist pop-fokussierter Radiosender.

Die Neuorientierung in “After The Landslide“ von 2019 machte Simons‘ Sound zwar persönlicher, versteckte seine individuellen Qualitäten aber weiterhin hinter kommerzieller Überproduktion. Mit “Identity Crisis“ wird dieser innere Konflikt wie auch schon 2019 zum Thema gemacht, die Kritikpunkte bleiben dieselben.

Man kann es Simons positiv oder negativ auslegen, dass sich der Sound ähnlich wie der des internationalen Popstars Ed Sheeran entwickelt. In “Identity Crisis“ wird ein scheinbar ernsthaftes Thema so catchy aufbereitet, dass man sich fast fragt, ob der Titel an sich schon eine Kritik an der eigenen Entwicklung darstellt – fast wie bei “Bad Habits“ vom Rotschopf, der mathematische Zeichen liebt.

Andere Tracks wie “Better Tomorrow“ erinnern an die Identitätskrisen, die bei der Auflösung populärer Boybands regelmäßig zu durchschnittlichen Alben mit viel Radiopotential führen. Nick Jonas und Zayn Malik wären da zwei passende Beispiele.

Der Versuch, Mehrstimmigkeit harmonisch unterzubringen, um womöglich sogar die inneren Konflikte, die das Album textlich definitiv hergibt, scheitert bei “Self Control“ leider daran, dass die Kopfstimme eher wie ein kaum hörbares Fiepen neben der eigentlichen Spur der Stimme zu hören ist. In Verbindung mit den eher reduzierten Beats, die nach einem verspielten DIY-Projekt klingen, geht die Schwere oder vermeintliche Tiefgründigkeit leider häufig unter.

Dabei gibt es doch auch Beispiele von Künstlern, die mit einer vergleichbaren Pop-Affinität zu großer Bekanntheit gelangt sind, sich aber vom Einheitsbrei der Industrie verabschiedet haben. Mike Posner, der mit „Cooler Than Me“ den Prototyp eines Pophits in den 2010ern veröffentlichte, brachte 2016 mit “At Night, Alone“ ein glaubwürdiges Album voller Geständnisse heraus. Ein Hit war trotzdem dabei, weil es heutzutage eben DJs gibt, die sich auch langsamere Songs schnappen und für Clubs und feierwütiges Publikum aufbereiten.

Das Gute: Türen schließt “Identity Crisis“ garantiert keine. Das große Redemption-Album kann also noch kommen.

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