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OK KID – Drei

Die gesellschaftlichen Zerwürfnisse und globalen Krisen, die seit ihrer letzten „Woodkid“- Episode aufgelaufen sind, reichen OK Kid locker, um ihre aktuellen Tracks bis auf den letzten Kreuzreim zu füllen.

Zunächst galt es aber für die Crew, sich nach Trennung von Label, Management und Booking-Agentur neu aufzustellen und ihre gemeinsamen künstlerischen Werte einer Tiefenprüfung zu unterziehen.

„Drei“ ist das Ergebnis dieser Kalibrierung und fasst die Eigenverantwortung, mit der Jonas Schubert, Moritz Rech und Raffael Kühle nunmehr unterwegs sind, zusammen. Es kann namentlich aber durchaus als stilistische Anknüpfung an ihre selbstbetitelte Erstausgabe und deren Folgewerk “Zwei” verstanden werden.

Die Schwere der Themen liegt wie ein Schatten über dem dramatisch orchestrierten Opener „Frühling Winter“, werden die Beats Casper-like mit satten Gitarren und schweren Streichern aufgeboostert, demaskieren OK Kid gleich eingangs der Platte viel der halbherzigen Aktionismus-Worthülsen, die keinem Stresstest standhalten.

Ein gutes Stück entfernt von der poppigen Zugänglichkeit von „Sensation“ schippert das „Hausboot Am See“, eine Abrechnung mit Polizeigewalt und persönlicher Positionierung im System.

Über ein sich zuspitzendes Arrangement grummeln Bass und Worte der bitteren Abrechnung „Heimweh“ tief im Magen.

Flottere Kapriolen drehen die Synthies im deshalb inhaltlich nicht weniger brisanten „Bubblegum“, in dem via „Das ist Kunst, mindestens in diesem Jahr“ ein Gruß an den Frittenbude-Evergreen „Mindestens In 1000 Jahren“ rausgeht.

Musikalisch ist auch eine hellere Seite vertreten, etwa wenn – in Vorfreude auf das Ereignis – „Es Regnet Hirn“ dem Klimawandel zum Trotz getanzt werden darf, oder „Leben Light“ optimistische Leichtfüßigkeit an Bord hat.

Im politisch aufgeladenen „Drei“- Kontext erinnern „Cold Brew (Kaffee Warm4)“ und „Das Letzte“, bei dem die Hannoveraner Pop-Hoffnung Jeremias mit von der Partie ist, daran, dass neben der Gegenwärtigkeit aller Katastrophen auch noch zwischenmenschliche Angelegenheiten zu regeln sind.

Zu Piano- und Saxophonklängen empfiehlt „Kein Mensch“: „Den größten Gefallen, den Du deinen Kindern tun kannst, ist sie gar nicht erst zu zeugen“- ernstgemeinter Rat einer Band, die sich noch nie hinter diplomatischen Floskeln versteckte.

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