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Working Men’s Club – Fear Fear

Das Alter ist bei Musiker*innen kein wirklicher Indikator für Talent oder Können, dennoch ist es faszinierend, was Syd Minsky-Sargeant mit dem Working Men’s Club bisher zustande gebracht hat.

2020 veröffentlichte der damals 18-Jährige mit “Working Men’s Club” das fulminante Debütalbum seines Projekts, auf dem er sich im garstigen Synth-Pop tummelt und über Teenage Angst hinaus wie von Sinnen wütet, klagt und tanzt.

Die prominente 80er-Nostalgie ist da zwar überraschend – der Sound ist um die 20 Jahre älter als Minsky-Sargeant selbst – aber dennoch eine eingängige Mischung aus Huldigung und moderner Aufarbeitung, die düsteren Wave und stampfenden Industrial mit Rave-Pop vermengt und in die 2020er holt.

Da gestaltet es sich schwierig, solch ein Statement zu toppen. Nun, mit immer noch zarten 20 Jahren, schafft Minsky-Sargeant dies aber mit Bravour: “Fear Fear” setzt in allen Belangen noch einen drauf.

Der Opener “19” stapft etwa mit einem tiefen Basston los und entfaltet sich zu einem obskuren Elektro-Track, in dem House und No-Wave sich die Klinke in die Hand geben und erst nach drei Minuten der hoffnungslose, angezerrte Gesang einsetzt.

Dissonant geht es mit dem Titeltrack weiter, der nun weniger Pop, dafür aber härteren Elektro-Punk bereit hält. Darüber bringt Minsky-Sargeant gelangweilt bis angepisst murmelnd seinen Unmut über eine sinnentleerte Welt zum Ausdruck.

“Fear Fear” verdeutlicht noch einmal die Intention des Vorgängers, dass Working Men’s Club keine Hitlieferanten sind. Hooks und Mitsing-Hymnen sucht man vergebens, stattdessen erschließen sich echte Gefühle, so nihilistisch und primitiv diese auch sein mögen.

Was nicht bedeutet, dass das Album ein reiner Hassbrocken ist: Songs wie “Widow” oder “Ploys” lockern das maschinelle Geballer auf und lassen doch noch Melodie, Groove und das Ausschütten von Dopamin zu.

Auf “Cut” erreicht der Sonnenschein seinen Höhepunkt: Schillernde Synth-Melodien, ein fetziger Beat und drollige Gitarren rücken den Track in Richtung Indie-Disko. Ist da etwa gute Laune zu erkennen?

Die verflüchtigt sich direkt danach in “Rapture” allerdings wieder im hitzigen Aufeinandertreffen von Industrial und Post-Punk. Es wird wieder dunkler, dafür aber auch energetischer.

Wer also “Working Men’s Club” lediglich als wütenden Teenager-Ausbruch abgetan hat, wird auf “Fear Fear” eines Besseren belehrt: Working Men’s Club sind auf Krawall gebürstet und kanalisieren alles, was ihnen nicht passt, in mitreißende Tracks. Weghören unmöglich.

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