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Pale Waves – Unwanted

Auf den ersten Blick scheint die Zeit für Bands wie Pale Waves schon längst vorbei: Gitarrenlastiger Schmacht-Pop dieser Größenordnung über Herzschmerz und das darauffolgende Dazulernen gehört eigentlich in die frühen 2000er.

Warum reden wir immer noch darüber? Die Spurensuche um die Dynamik hinter dem Quartett aus Manchester gestaltet sich als eher schwierig – der Erfolg kann an allem und an nichts liegen. Wenn es nur alte Avril-Lavigne-Fans sein sollen, die sich ihre Nostalgie-Dosis abholen wollen, warum wächst die Gefolgschaft dann stetig durch das Hinzukommen gerade von jüngeren Fans?

Ist es – zynisch ausgedrückt – die einfache Vermarktbarkeit der Band, die mit ihrer Ästhetik zwischen Emo, Goth und Billie Eilish keine Probleme damit haben dürfte, virale Trends auf TikTok loszutreten?

An den Songwriting-Fähigkeiten von Frontfrau Heather Baron-Gracie wird es wahrscheinlich nicht liegen: Wie auch die beiden Vorgängerplatten “My Mind Makes Noises” (2018) und “Who Am I?” (2021) besteht das dritte Album “Unwanted” aus unspektakulären Pop-Songs, die nach einer Weile zu einer einheitlichen Masse verschmelzen.

Als Schreiberin der Tracks tritt Baron-Gracie wie eigentlich seit der Gründung von Pale Waves auf ein und derselben Stelle. Die Angewohnheit, ihre Texte wie Tagebuch-Einträge einer 13-Jährigen klingen zu lassen, ist nach wie vor genauso präsent wie die halbherzigen Hooks und schnell fad werdenden Melodien ohne Tiefgang und Dynamik.

Wenn es auch auf dem dritten Album immer noch darum geht, dass der Junge eigentlich sowieso ein narzisstischer Arsch war und man ohne ihn doch besser dran ist, setzt Müdigkeit ein: Darf es auch mal ein anderes Thema sein? Und wenn nicht, kann es wenigstens zur Abwechslung spannender aufbereitet werden?

Hin und wieder kommt die Abwechslung in Form von Songs wie “The Hard Way”: Die Akustik-Ballade nimmt den Kampf gegen die Redundanz auf und berührt mit seinen Lyrics über den Selbstmord eines Schulfreunds überraschend tiefgehend.

Dennoch sehen Pale Waves zum Ende des Songs keinen anderen Ausweg als den Ausbruch in den immer gleichen Power-Pop – man steht wieder am Anfang mit einem Song wie “Jealousy”, der bereits mit seinem Namen Teenie-Drama voraussagt und sich seinen Chorus teilweise bei Paramores “Misery Business” borgt.

Ob es auch am Unwillen oder an mangelnden Fähigkeiten liegen mag: Pale Waves haben sich mit “Unwanted” kreativ noch weiter festgefahren. Daran ändern wird sich wahrscheinlich so schnell nichts: Ihre Fans werden weiterhin enthusiastisch die immer gleichen Phrasen mitsingen und sich dabei verstanden fühlen, so dass der Kreislauf der gegenseitigen Bestätigung immer weiter geht.

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