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Arctic Monkeys – The Car

Dramatische Streicher, filmische Soundtracks und jazzige Passagen – Stichworte, die man lange eher nicht mit den Arctic Monkeys in Verbindung gebracht hätte.

Doch auf ihrem neuen Album „The Car“ sagen die Briten Lebewohl zu ihrem einstigen Heimatgenre Indie-Rock à la „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ und zeigen, wie sich ihr Sound über die Jahre entwickelt hat.

Und dieser Alterungsprozess erfolgte definitiv mit Stil – „The Car“ klingt klassisch, entschleunigt, zeitlos und könnte die musikalische Begleitung eines dramatischen Schwarz-Weiß-Films sein.

Die bereits vorausgekoppelte Single „There’d Better Be A Mirrorball“ eröffnet den Longplayer im zurückgelehnten Lounge-Pop-Stil und führt gleich zu Beginn die wichtigsten Elemente des neuen Arctic-Monkeys-Albums ein: starkes Piano, opulente Streicher und die glasklare, gerne ins Falsett schwebende Stimme des Sängers Alex Turner.

In die Höhen verschlägt es den gebürtigen Sheffielder auch auf „Jet Skis On The Moat“, ein Track, der die Grundthematik des Albums gut zum Ausdruck bringt. Denn „The Car“ dreht sich an vielen Stellen um die Entfremdung Turners vom Showbusiness – und blickt von außen auf seine Rockstar-Persona.

„I’ve been given good reason to believe/I ain’t quite where I think I am” – greift auch der Song  „I Ain’t Quite Where I Think I Am” dieses Gefühl auf, in Form der Geschichte einer Bootsfahrt mit inhaltslosen Gesprächen und vorgetäuschter Freude, allein um den Schein einer exklusiven Gesellschaft zu wahren.

Der Song startet mit mächtigen Chören, zeigt dann aber schnell, dass die Band ihre rockige Vergangenheit doch nicht gänzlich aufgegeben hat: spielerische, drängende Gitarren bilden einen spannenden Bruch zum sonst aufgeräumten Chamber-Pop.

70er-Jahre Funk-Anleihen gibt es auf „Hello You“ und „Body Paint“, eine weitere bereits vorausgekoppelte Single, erregt mit verzauberten, desillusionierten Synthie-Flächen den Eindruck eines lieblichen Lovesongs – nur um sich beim zweiten Blick auf die metaphorischen Lyrics als genaues Gegenteil zu offenbaren.

Nach über 20 Jahren in der Branche haben sich die Arctic Monkeys von allen Erwartungen gelöst und den zehn Songs auf ihrer neuen Platte die Freiheit gegeben, sich unbegrenzt in alle möglichen Richtungen zu entwickeln – eine gute Idee, wie „The Car“ vom ersten Ton an beweist.

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