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The Arcs – Electrophonic Chronic

Man muss muss mittlerweile nicht mehr geschockt drauf los recherchieren, was gerade mit The Black Keys los ist, wenn Gitarrist und Sänger Dan Auerbach sich wieder seinen Solo- und Nebenprojekten widmet.

Oft genug kam es in der Vergangenheit vor, dass der Blues-Musiker aus Akron, Ohio sich seinen persönlichen Outputs widmete, wenn es mit der Hauptband ungut aussah: Zwangspausen oder interne Spannungen resultierten in einigen fantastischen Alben nebenbei.

So auch “Yours, Dreamily” von The Arcs, das Auerbach 2015 mit einer bunten Truppe von Musiker*innen aus seinem Umkreis erschuf, als sein Black-Keys-Kollege Patrick Carney mit einer Schulterverletzung aussetzen musste.

Acht Jahre später folgt nun, diesmal ganz ohne schlimmen Grund, mit “Electrophonic Chronic” der zweite Streich der Arcs, allerdings nicht mit neuem Material: Die 12 Songs stammen aus den gleichen Sessions wie die der ersten Platte.

Gefühle einer billig aufgewärmten Resterampe kommen dennoch nicht auf, denn die Qualität des Songwritings bleibt auch auf dem neuen Album durchgehend hoch und zeigt keinerlei Abnutzungserscheinungen.

Die zuckersüße Balance zwischen leichtfüßigem Psych-Rock, lässigem Retro-Garage-Rock und gitarrenlastigem Indie funktioniert nach wie vor und wartet mit frischen Ideen auf, die den Mini-Kosmos rund um The Arcs weiter ausformulieren.

Dabei ist der sowieso schon wohlig warme Sound liebevoll gefüttert und verfeinert mit kleinen Details, die die Spannung und Neugier konstant aufrechterhalten. Dezent gesetzte Keyboards bringen souligen und gelegentlich auch jazzigen Pepp ins Spiel.

Die eigentlichen Stars auf “Electrophonic Chronic” sind allerdings woanders zu suchen: Zum einen ist es Auerbachs ausgesprochen verspielter Gesang, zum anderen sind es die lieblichen Melodien, die das Album durchziehen.

Auch wenn sich der Black-Keys-Gitarrist musikalisch nicht komplett von seiner Hauptband trennen kann, ist man doch erstaunt, zu welch melodiösen Sonnenstrahlen Auerbach imstande ist – wenn er denn mal wirklich will und seine bierernste Blues-Seite ruhen lässt.

Diese Wärme wirkt im heutigen Kontext allerdings vielleicht melancholisch, gar bittersüß. Das liegt nicht nur am nostalgischen Retro-Touch von Songs wie etwa “Heaven Is A Place” oder “A Man Will Do No Wrong”.

Auch liegt es daran, dass in den Aufnahmen noch Richard Swift zu hören ist. Der 2018 verstorbene Künstler war bis zu seinem Tod als Mitglied der Indie-Pop-Band The Shins, aber auch als Live- und Session-Musiker bekannt und war ebenfalls Teil des losen Kollektivs von The Arcs.

Gerade vor dem Hintergrund liegt in “Electrophonic Chronic” ein gewisses Maß an Seelenheil. Eben durch die Ehrung des verstorbenen Mitmusikers, aber auch durch die schönen Momente, die musikalisch mitschwingen.

Das zweite Album von The Arcs ist hervorragend für alle, die einen leichten Einstieg in die Welt des Psych-Pop suchen. Oder alle, die freundlichen Psych-Pop suchen, der als Balsam für die Seele fungiert.

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