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The Murder Capital – Live im Molotow, Hamburg

Die Entwicklung ist auf den ersten Blick zu erkennen. Riesiger Tourbus vorm Molotow, ein seltenes Bild. Alle Effekte, akribisch beschriftet, auf edel anmutenden Boards montiert. Gitarren und Bässe säuberlich in Cases sortiert auf der Bühne. Passend zu ihrem ersten Platz in den irischen Charts, haben sich The Murder Capital scheinbar vom Post-Punk aus der Garage zur (gehypten) Profi-Band entwickelt.

Zuerst jedoch Junior Brother. „Irischer alternative Singer/Songwriter“. Tambourin am Boden, mit dem Fuß geschlagen, und akustische Gitarre. Dazu eine interessante Art Sing-Geschrei. Kann man machen…man kann aber auch einfach rausgehen in den Backyard.

Die fünf Iren kommen. Sänger James McGovern jetzt mit Wuschelkopf und schwarzem Vintage-Anzug. Die Härte seiner Erscheinung ist deutlich entschärft, Empathielevel erhöht.

„Existence“, „Crying“, „Return My Head”. The Murder Capital starten in der Reihenfolge der neuen Platte „Gigi‘s Recovery“. Netter Einstieg, sukzessive fädeln sich ein paar Emotionen in den Auftritt.

„Open the fucking Moshpit!!”. Abrupte Wendung der Choreografie. „More Is Less“ ballert durch den Raum. Das erste Stück des Abends vom Debütalbum. Die gehetzte Kraft überträgt sich sofort ins Publikum. James beginnt, Stagediver auf die Bühne zu ziehen und beim Absprung zu pushen. Kurzfristig kocht der Saal.

Das musikalische Highlight der aktuellen Scheibe – „The Stars Will Leave Their Stage“ – tritt im direkten Vergleich in den Hintergrund. Der Titeltrack „Gigi‘s Recovery“ und „Belonging“ kommen sehr tief und balladenartig daher. So richtig zur Stimmung tragen sie kaum bei. Der etwas matschige Sound hilft da leider auch nicht.

Ganz im Gegenteil holen dann die ersten Anschläge der beiden „Slowdance“ alle sofort wieder aus der aufkommenden Lethargie. So minimalistisch wie intensiv. Es zieht und zerrt mit gelegentlichem Tritt in den Bauch. Die instrumentalen Passagen ziehen sich endlos und könnten noch länger sein.

So geht es weiter durch eine ausgewogene Mischung beider Alben. Wenig überraschend wird „Green & Blue“ das nächste Highlight für das Publikum. Getrieben vom Schlagzeug könnte die Stimmung kaum besser werden.

Eine High-Speed-Interpretation von „Don’t Cling To Live” heizt kurz vor Schluss nochmal gründlich ein, bevor „Ethel“ einen denkwürdigen Abschied zelebriert. Balancieren auf den Monitoren, Schwimmen in der Menge. James zieht alle Register – dann sind die Iren nach 16 Stücken ohne Zugabe weg.

2019 hatten wir geschrieben „Leider ist das Material aus. Nächstes Mal hoffentlich mit Stücken einer zweiten Platte.“ Das kann man jetzt revidieren – begeistert haben immer noch die gewaltig intensiven Tracks vom Debüt.

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