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Lana Del Rey – Did You Know That There’s A Tunnel Under Ocean Blvd

Mittlerweile sind wir uns fast sicher, dass Lana Del Reys Albumtitel und -cover seit “Norman Fucking Rockwell” aus dem Jahr 2019 von einer künstlichen Intelligenz erstellt wurden und werden. Wie sonst ließe sich erklären, dass “Blue Banisters” wie eine überarbeitete Version des vier Jahre älteren “Lust for Life” aussieht und “Norman Fucking Rockwell” einer Montage selbstzerlegter Zeitschriften ähnelt?

Zugegeben, gerade bei letzterem Album halten wir unsere These angesichts der korrekten Anzahl an Fingern auf dem Cover für schwer haltbar, Lana Del Reys aktuelle Veröffentlichung “Did You Know That There’s A Tunnel Under Ocean Blvd” erneuert den Verdacht aber doch wieder.

Nach kurzem Herumprobieren konnten wir der AI dazu folgende Alternativen entlocken: “How Many Stars Must Die Before We Remember The Light” und “Are The Echoes Of Time A Sorrowful Reminder Of What Once Was” – passt doch, oder?

Lana Del Reys neuestes Album wirkt auf den ersten Blick wie eine ästhetische Referenz auf vergangene Generationen US-amerikanischer Künstler*innen, auf die verlorene Generation, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre zerstückelten Lebensläufe in teils autobiographischen Romanen voller Sehnsucht und Verlust verpackten.

Auch inhaltlich stehen in “A&W” und “Grandfather Please Stand On The Shoulders Of My Father While He’s Deep-Sea Fishing” Kindheit und Familie, Versäumnisse und Erinnerungen, im Vordergrund und erwecken den Eindruck eines autobiographischen Rundumschlags.

Musikalisch bleibt sich Del Rey dabei treu, verzichtet auf opulente Pop-Gesten, die nach “Lust For Life” ohnehin abgenommen haben, und lässt Unnahbarkeit und inszenierte Intimität zu einem vernebelten Gesamteindruck verschwimmen.

In gewohnt filmischer Art und Weise klingen Lieder wie “Sweet” nach einer Künstlerin, die sich ihrer Wirkung und Ausstrahlung bewusst ist. Grundsätzlich wirkt Del Reys Verletzlichkeit und nostalgischer Fatalismus auf “Did You Know That There’s A Tunnel Under Ocean Blvd” aber eben nicht wie eine unauthentische Pose, sondern wie das Produkt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Einflüssen und Erlebnissen.

Nicht ohne Grund beginnt das Album mit einer Familienchronik der “The Grants”, dem bürgerlichen Familiennamen der Künstlerin. Als Dekonstruktion eines künstlerischen Alter-Egos beziehungsweise als Einordnung des Phänomens Lana Del Rey in die Geschichte der Grants ist “Did You Know That There’s A Tunnel Under Ocean Blvd” vielleicht ihr spannendstes Album bisher, mit Sicherheit aber eines, das selbst in Skeptikern wieder ein gewisses Interesse für die Künstlerin wecken dürfte.

Und so etwas trauen wir einer künstlichen Intelligenz dann doch (noch) nicht zu.

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