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Fenne Lily – Live im Stadtgarten, Köln

Ganze viele Dinge kommen an diesem (gestrigen) Dienstagabend nicht ganz so wie erwartet. Erst entscheidet sich Köln dazu, nach einem ersten sommerlichem Wochenende noch mal kurz Revue passieren zu lassen, wie nervig der Winter war: sehr nervig. Und dann steigt man auf dem Weg in den Stadtgarten die Treppen in eine abgedunkelte, rechteckige Bar herunter.

Das Jaki, in dem sonst regelmäßig Jazz gespielt wird, lässt einen jedenfalls vergessen, wie garstig der Tag war, der oben und draußen jetzt zu Ende geht. Prall gefüllt ist der Klub schon, bevor Fenne Lily ihr aktuelles Album “Big Picture” auf die Bühne bringt.

Das gefällt Naima Bock besonders. Die frühere Bassistin von Goat Girl darf den Abend mit einem Solo-Auftritt einläuten, der das Publikum zum Schweigen bringt. Mit einer improvisierten Setlist bannt die Künstlerin das gesamte Publikum, obwohl die meisten wohl keinen Blick auf sie erhaschen können. Sie sitzt – beinahe auf Augenhöhe mit den Besucher*innen – auf der Bühne und fasziniert mit mystischer bis nahbarer Gitarrenmusik.

Einen Dank an das aufmerksame Publikum später steht dann auch schon Fenne Lily auf der Bühne, die ihren bandgestützten Solo-Indie-Rock auf “Big Picture” erstmals im vollen Umfang auch auf Platte gepresst hat. Zuvor unterschieden sich Live-Auftritt und Studioaufnahme doch so eklatant, dass man beinahe meinen konnte, zwei unterschiedlichen Künstler*innen zuzuhören – was auch nicht verkehrt war, waren ja schließlich beide Versionen gut.

Im Jaki aber steht die Band mit ihr auf der Bühne und wird auch ausführlich vorgestellt. Der Gitarrist hat seinen Reisepass verloren und wiedergefunden – tosender Applaus – der Bassist wird bei der nächsten Tour nicht mehr dabei sein – bedauerndes Stöhnen – und der Drummer hat eine kurze Hose an. Ob nackte Knie ihr Unbehagen bereiten oder sie schlicht und einfach neidisch auf das luftige Outfit ihres Bandmitglieds ist, will Fenne Lily sich selbst nicht so ganz eingestehen.

Klar ist aber, dass die Chemie zwischen den Künstler*innen stimmt und sich auf das Publikum überträgt. Es wird gelacht, gejubelt, und spätestens als Lilys Bier überläuft (Zitat: “Beer overfloweth“) ist das Eis gebrochen. Songs wie “Map Of Japan” und “Dawncolored House” tragen zur gelösten Stimmung bei und bringen das Publikum ein Stück näher an die Bühne.

Das führt unter anderem dazu, dass Fenne Lily zwei Dinge bemerkt – oder glaubt zu bemerken. Einerseits sieht sie ihre Freundin Hillary aus Oregon in der letzten Reihe stehen, was sie selbst als sehr sehr sehr unwahrscheinlich abtut, andererseits erkennt sie in der ersten Reihe mitgereiste Fans, die nicht zum ersten Mal bei dieser Tour vorne stehen.

Weil Fenne Lily den Superfans nicht schon wieder dieselbe Show kredenzen möchte, lässt sie das Publikum entscheiden, welche Tracks den Abend beenden dürfen. Jedenfalls fragt sie danach und ist dann etwas überwältigt von der lautstarken Resonanz. “Nietzsche” und “Birthday” sind nur zwei der zahlreichen Wünsche, denen Fenne Lily natürlich nicht allen gerecht werden kann.

Nach einigen Liedern, bei denen Naima Bock nochmal supporten darf, verlässt die gesamte Band die Bühne und Fenne Lily kommt allein wieder. Ist vermutlich auch einfacher, eine Setlist spontan abzuändern, wenn nicht noch drei Musiker einen ungeprobten Song performen müssen.

Also endet der Abend mit einem intimen Auftritt Fenne Lilys und der Version, die wir eher von den alten Alben kennen und in Erinnerung behalten haben. Alle sind damit zufrieden, verlassen beseelt das Jaki und betreten ein Köln, das sich – wenn man der Wettervorhersage vertrauen mag – auch beruhigt zu haben scheint.

Fenne Lily hingegen, die den ganzen Abend schon etwas kränkelt, muss am Folgetag direkt weiter nach Paris. Wir drücken die Daumen, dass die Tour wie geplant im sonnigen Paris enden darf.

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