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Sleater-Kinney – Little Rope

Ein Unfall, ein Anruf, ein Album – was nach schematischer Darstellung zum Werdegang einer Plattenproduktion klingt, ist ursächlich dafür, dass mit „Little Rope“ die 11. Sleater-Kinney-Ausgabe im Regal steht.

Dem Anruf der amerikanischen Botschaft in Italien bei Corin Tucker, die als hinterlegter Notfall-Kontakt von Carrie Brownstein über den Unfalltod von deren Eltern informiert wurde, war Browsteins Gitarre zentraler Bestandteil ihrer Trauerverarbeitung, die wie das Albumcredo in der Erkenntnis mündete, dass das Wiedererlangen von Kontrolle loslassen bedeutet.

Der daraus generierten Produktivität folgt dem Reunion-Kracher „No Cities To Love” und den Folgeveröffentlichungen „The Center Won`t Hold“ und „Path Of Wellness“ ein neuer Zehnteiler, der mit Post-Wiedervereinigungs-Songwriter-Größe die Themen Verlust und Sinnhaftigkeit im endlichen Lebenszyklus zu einem differenzierten Spätwerk bündelt, daneben noch immer die Spritzigkeit von „Dance Song ’97” und die Größe von „Jumpers“ oder „Entertain“ weiterleben lässt.

„Pull myself in Pieces, pull myself apart“ singt Tucker im Opener „Hell“ trotzig, bevor sich aus dessen verhaltenem Einstieg ein Klanggewitter entlädt, das keinen Zweifel daran lässt, dass das Unglück mit musikalisch kraftvollen Argumenten zurückzuschlagen ist.

Darauf versteht sich die Band, die seit dem Weggang von Janet Weiss im Jahr 2019 als Duo fortbesteht, seitdem sie als Riot-Grrrl-Explosion aus Olympia, Washington, die maskulin dominierte Musiklandschaft aufmischte, und auch dato mit wiederholter Wuchtigkeit inmitten griffiger Arrangements glänzt.

Der Grammy-dekorierte Produzent John Congleton verpasst „Little Rope“ zwischen verhaltenen Passagen und purem Rock eine, von der „Sex Mistakes“ Härte bis zum „Dont’ Feel Right“ Pop-Apeal, Kompaktheit, auch wenn seine Ratschläge – etwa bezüglich des Gesangsparts von „Say It Like You Mean It“ – bei den beiden Adressatinnen etwas brauchten, um Gehör zu finden.

Die Protagonistinnen Tucker und Brownstein liefern sich an ihren Instrumenten verwegene Duelle, belauern sich, fordern sich heraus, um am Ende doch in einem teils brachialen, teils feinsinnigen, Fluss vereint zu sein, was „Needlessly Wild“ Groove, „Hunt You Down“ Coolness und „Small Finds“ Rastlosigkeit beschert.

Episch schließt „Untidy Creature“, dessen Platz initial auf der Tracklist nicht sicher war. „Little Rope“ verteidigt mit dynamischen Akkorden verletzte Seelen in exponierter Lage.

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