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SPRINTS – Letter To Self

Das neue Jahr beginnt fulminant und angepisst: SPRINTS veröffentlichen ihr Debütalbum “Letter To Self” und etablieren sich damit sofort als eine Band, an der man 2024 nicht vorbeikommt.

Die beiden EPs “A Modern Job” und “Manifesto” bilden die Basis für den rauen und düsteren Post-Punk, den die Band aus Dublin meisterlich mit Garage-Punk vermengt, um dadurch innerlichen Frust und Ängste hinauszuschreien.

“Letter To Self” schlägt, wie der Name bereits erahnen lässt, in dieselbe Kerbe und stellt gleichzeitig einen ersten Höhepunkt in der Geschichte der 2019 gegründeten Band dar. Die 11 Songs sind laut, sie sind aggressiv, dabei bleiben sie aber stets ergreifend.

Schon im Opener “Ticking” macht Frontfrau Karla Chubb ihrer Frustration Luft, während der Garage-Punk drumherum immer weiter anschwillt, bis die vierköpfige Band sich die Wut von der Seele schrammelt, trommelt und schreit.

Es ist aber keine heiß glühende Wut, die SPRINTS in sich tragen – das Quartett hasst nicht, sondern ist eher enttäuscht: von der Welt, von Gefühlen und Menschen, von sich selbst.

Es ist unter anderem die innere Unruhe, die “Can’t Get Enough Of It” besingt: Schlaf- und Ausweglosigkeit beherrschen die komplexe Geschichte des Songs, während der rastlose Post-Punk immer weiter anschwillt und wie eine herannahende Panikattacke wirkt.

Ein genauso schwerer emotionaler Schlag in die Magengegend ist die Single “Shadow Of A Doubt“, in der sich die Frontfrau von Trauma und Depressionen frei schreibt. Nach einem andächtigen Intro, in dem Chubb ihre Qualen beschreibt, explodiert der Track in brachialen, herzzerreißenden Indie-Rock.

Mit ihrer Energie erinnern SPRINTS oft an die ebenso aufbauende Zerstörungswut der Selflove-Punks IDLES, jedoch mit einer ganz einzigartigen Note: SPRINTS haben einen eigenen Anspruch an die Komplexität ihrer Songs, die sie unberechenbarer und dynamischer machen.

Wer von einer Achterbahn der Gefühle bei “Letter To Self” sprechen würde, hätte zwar das Phrasenschwein vollgemacht, würde aber nicht lügen: Das Debütalbum der vierköpfigen Band geht tief – es geht weit, manchmal auch etwas zu weit für das eigene Wohlbefinden.

Dadurch lässt das Album aber auch in ganz neuen Dimensionen mitfühlen. “Letter To Self” macht es einem nie ganz einfach – das Gefühl am Ende wird dadurch aber umso besser.

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