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Nathaniel Rateliff And The Night Sweats – South Of Here

Mit “S.O.B.” vom 2015er Debütalbum “Nathaniel Rateliff And The Night Sweats” ist der erfolgreichste Hit von Nathaniel Rateliff und seiner Band ein widerspenstiger, alles zerberstender Song mit ordentlich Druck auf dem Kessel. Auf Album Nummer 4 kann und möchte die Formation nun ganz andere Wege gehen und lässt das Gaspedal beachtlich oft los. Gut so. Oder?

Nach den ersten Minuten bleibt man doch etwas ratlos zurück. Natürlich – Rateliffs kratziges Timbre raspelt auch weiterhin mehr als Süßholz ins Ohr. Und “David And Goliath” stopft sein Storytelling mit leidenschaftlichen Bläsern aus.

Das funktioniert alles gut – und doch steckt das Album für einige Songs in der generischen Country-/Folk-/Southern-Rock-Schiene fest. In “Heartless” wirkt der emotionale Schub des Frontmanns vor diesem austauschbaren Hintergrund fast etwas bizarr.

Aber: “South Of Here” kratzt auf der Route 66 die Kurve. Und wie! Ab “Cars In The Desert” zeigt sich die Platte plötzlich wie gelöst, die Spielfreude ist ansteckend, die bekannten und geliebten Vibes der letzten Platte “The Future” schauen auch vorbei. Was es hier zu hören gibt?

Da wäre zum einen der Mut zur Lücke, der “I Would Like To Heal” aus den vorigen ruhigen Songs herausstechen lässt. Hier werden nicht alle möglichen Sounds bis zur Unkenntlichkeit geschichtet – sondern Raum für lockere Atmosphäre geschaffen.

“Cars In The Desert” löst mit rumpelnden Beats und euphorischen Bläsern das Versprechen von “Heartless” ein: Während letzteres noch wünschte “I wanna be something good”, holt ersteres selbstbewusst aus: “Tell me I’m a good man”!

Damit ist “South Of Here” eine sehr persönliche Platte, die viele Rodeos um die Ängste und Zweifel der Musiker zieht. Mit der richtigen Inszenierung wirkt das auch bestens.

Auch im klaren Album-Highlight “Call Me (Whatever You Like)”, das alles vereint, wofür man diese Band schätzt: druckvolles Sogwriting, prunkvolle Bläser, ein Refrain, den man zum verschwitzten Finale eines Konzertabends einfach braucht.

Da kann nur noch “Time Makes Fools Of Us All” einen drauf setzen, in dem Rateliff zum Abschluss der Platte nochmal um sein Leben singt. Eine schöne Platte, die übrigens in Zusammenarbeit mit Brad Cook (Waxahatchee, Bon Iver) entstanden ist, braucht eben manchmal seine Zeit.

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