Es passte, dass Blond „Girl Boss“ vom neuen Album in Jan Böhmermanns Neo Magazine Royale vorstellten, denn – wie die Investigativ-Show – ist auch die Band für einen schonungslosen Umgang mit unbequemen Themen auf hohem Niveau bekannt.

Mit der Vorgänger-Platte hat das Trio den Maßstab für Kommendes hoch angesetzt, ein Level, das „Ich Träum Doch Nur Von Liebe“ mühelos hält. Es wird der „Las-Vegas-Glamour“-Sound weiter geführt und Blonds Anliegen so dringlich wie gehabt transportiert, so dass nicht nur Blondinators ihre Freude daran haben dürften.

In einer gewohnt abwechslungsreichen musikalischen Performance und dem exakten Gespür für den satirischen Rundumschlag, sammelt die dritte Ausgabe 12 weitere „Perlen“ ein, die vom sakralen „Intro“ bis zum Arbeiterkampflied-Rhythmus des „Outro“ feministischen Inklusionshürden den Finger zeigen.

Dieser Finger gilt nicht zuletzt den sich im erstarkenden Konservativismus neu verfestigenden Rollenbildern, in deren Selbstverständnis sich keine Flinta-Person in einem Yolo-Moment – sei er auch noch „So Hot“ – gehen lassen kann, ohne sich potentieller Gefahr auszusetzen, und Sugar-Daddy-Gehabe auf „16 Jahr, Blondes Haar“- Basis weiterhin an der Tagesordnung bleibt.

Empowerment-Lippenbekenntnisse aus dem Wohlfühlkiez und die „Tue-Gutes-und-rede-darüber“-Attitüde des modernen Mannes bedeuten dato nichts weiter als gesellschaftliches green washing. Davon kann Johann Bonitz per „Bare Minimum“ ein beschwingtes Lied singen, öffnet sich mit Support von Ankathie Koi am Mikro knarrend die Schublade, in der autarke Frauen prompt mit „Geile Bitch“ gelabelt werden.

Gängige Beats verfangen sich wie selbstverständlich im Ohr, punkiges Saitenbrummen – dem auf der Erstauskopplung „Girl Boss“ von der Dream-Wife-Gitarristin Alice Go Vorschub geleistet wird.

Glitzernde Synthies vereinen sich, wachsen dynamisch bis hin zum hymnischen Popmoment, der für die Hinterfragung des verblassenden Interesses für den Werdegang langjähriger Gefährt*innen für „Fliederbusch“ an der richtigen Stelle inne hält.

Wo die Kummers aus Chemnitz wesentlich beteiligt sind, folgt ein relevanter Eintrag im Indie-Almanach des Veröffentlichungsjahres. Das bleibt auch mit „Ich Träum Doch Nur Von Liebe“ so.

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