Wer TikTok immer noch ausschließlich mit Sped Up Versionen, Hyper-Pop und kurzen Snippets assoziiert, ist längst Social Media Boomer. Ein gutes Beispiel dafür ist Alex G, der in der Indie-Bubble schon lange verehrt wird – dank zahlreicher TikToks und Reels jetzt aber auch eine neue, jüngere Zielgruppe erschlossen hat. Angenehm widerspenstig ist dieser LoFi Folk mit elektronischen Sprenkeln aber immer noch.

Die erhöhte Aufmerksamkeit trägt Früchte: Für sein zehntes (!) Studioalbum verschlägt es Alexander Giannascoli (so Alex Gs vollständiger Name) erstmals auf ein Majorlabel. Trotzdem: Das Debüt auf RCA macht immer noch das, womit Giannascoli schon mit seinem Durchbruchsalbum „DSU“ 2014 Fanscharen erzeugte. Nur eben immer noch spannend.

„Headlights“ spielt auf Albumlänge mit gängigen Songstrukturen und basiert eher auf elliptischem Storytelling und angedeuteten Konturen als mit klaren Konzepten und Parolen. Wofür Giannascoli einsteht, bewies er längst bei einem Auftritt für die Kampagne von Bernie Sanders – die Musik selbst bleibt aber eher ein Gefühl als ein Statement.

Mit „June Guitar“ und „Afterlife“ startet das Album recht traditionell: Mandoline und Gitarre flirren in einer dunklen Melancholie daher, Sam Fender hätte diesen Song sehr ähnlich geschrieben. Aber Alex G kann mehr als das – wie „Beam Me Up“ dann beweist und damit den Longplayer erst richtig eröffnet.

Die Gitarren sind besudelt vor Hall, die zarten Chöre sind erst Mauerblümchen und dann Taktgeber, alles versinkt im LoFi-Nebel und Alex G selbst ist stimmlich ein Puzzlestück dieser gesamten Kulisse. Die Atmosphäre ist zum Schneiden, aber auch voller Trübsal – bestens gemacht für Sommerregen.

Fragmentarisch wird es in „Bounce Boy“, der die Gitarre in einen Wald voller elektronischer Beats und Synthies aufgehen lässt, gigantisch in „Louisiana“, das mit seiner Bridge in die ganz großen Gesten aufgeht.

Giannascoli sucht in all dem aber nicht selbst das Rampenlicht und überhaupt bleiben weder Melodien noch Effekthascherei im Kopf. Was „Headlights“ vergoldet, ist die Liebe zum Detail, das Zugeständnis der Dualität.

„Far And Wide“ mit seinen umgarnenden Streichern oder „Is It Still You In There“ mit einem jazzy Keyboard sind dabei die Highlights dieses außergewöhnlichen Albums. TikTok mag das.

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