Wir trugen die Nasen ziemlich hoch – Suede im Interview

Bevor Acts wie Oasis, Blur und The Verve ihren Britpop-Siegeszug antraten, zelebrierte eine englische Band bereits jenen fülligen Sound, der Stones- und Beatles-Fans gleichermaßen verzückte. Die Rede ist von Suede, die heute ohne Zweifel als Pioniere einer Branche fungieren, die spätestens seit der pompösen Oasis-Reunion wieder in aller Munde ist. Mit ihrem neuen Album „Antidepressants“ melden sich die Mannen um Frontsänger Brett Anderson zurück und beweisen einmal mehr, dass sie es immer noch draufhaben. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Studiowerks trafen wir uns mit Bassist Mat Osman zum Interview und sprachen über fernöstlichen Antrieb, Arroganzanfälle und Oasis.

MusikBlog: Mat, einem neuen Album liegt auch immer ein neuer Antrieb zu Grunde. Wenn du zurückblickst: Welche fundamentalen Gedanken und Visionen waren diesmal wegweisend und ausschlaggebend?

Mat Osman: Das kann man eigentlich auf die Essenz des großen Ganzen runterbrechen. Wir sind eine Band, die sich auf der Bühne am wohlsten fühlt. Das ist unser Ort. Dort sammeln wir die Energie, die uns als Kollektiv ausmacht. Diesmal waren einige Shows im Vorfeld der Produktion besonders intensiv und inspirierend. Das führte dann dazu, dass wir dieses Gefühl und diese Energie unbedingt mit ins Studio nehmen wollten – was wir dann auch getan haben.

MusikBlog: Im Vorfeld wurde viel darüber spekuliert, wie das neue Album klingen könnte. Viele Leute haben ein eher experimentelles Album erwartet. Nun kommt ihr mit all diesen fesselnden Rock-Hymnen um die Ecke.

Mat Osman: Wie schon gesagt, wir wollten unbedingt das Live-Gefühl mitnehmen. Die letzte Tour war einfach nur fantastisch. Wir waren viel unterwegs, auch in Gegenden, die man sonst vielleicht nicht so auf dem Schirm hat. Wir haben beispielsweise in China gespielt. Das sind Erfahrungen, die man nicht mehr vergisst. Und wenn man dann die Möglichkeit hat, diese Energie noch einmal zu kreieren, auf einem anderen Produktionslevel, dann ist man da natürlich sehr dankbar für.

MusikBlog: Was genau hat es mit dem Albumtitel auf sich?

Mat Osman: Nun, wir kommen aus einer sehr schwierigen Phase, in der uns allen viel genommen wurde. Covid und das ganze Drumherum waren furchtbar – für uns alle. Es war eine Zeit, in der wir keine Kontrolle mehr über uns und unser Leben hatten. Diese neuen Songs fungieren irgendwie auch wie Medizin. In den Liedern steckt so viel Leben. Der Titel ist einfach Programm.

MusikBlog: Gab es jemanden in der Band, der das musikalische Ruder übernahm?

Mat Osman: Ja, in der Tat. Richard (Richard Oakes, Gitarrist) hat die Zügel in die Hand genommen und die meiste Musik für das Album geschrieben. Das war auch ein konstanter und sehr kreativer Prozess.

MusikBlog: Ihr habt diesmal wieder mit Ed Buller (Pulp, The Primitives) zusammengearbeitet. Was macht die Arbeit mit Ed für euch besonders?

Mat Osman: Ed ist einfach ein Typ, der sein Fach beherrscht und dem es wichtig ist, dass der die Leute mit denen er arbeitet, besser macht. Ed treibt uns an. Er hinterfragt Dinge und lässt nicht locker. Ich glaube, dass wir am Ende 50 oder 60 Songs fertig hatten. Daraus dann die wirklich besten und wichtigsten rauszusuchen, ist nicht so ganz einfach. Da hilft es schon auch, wenn man jemanden an der Seite hat, der weiß, wie das große Ganze funktioniert.

MusikBlog: Mat, du bist jetzt seit den Achtzigern im Showgeschäft mit dabei. Erinnerst du dich noch an die Zeit, in der dir bewusst wurde, dass du mit der Musik etwas erreichen könntest?

Mat Osman: Oh, um ehrlich zu sein, für mich kam nie etwas anderes in Frage. Ich meine, als wir anfingen hatten wir alle keine Ahnung. Wir waren untalentiert und absolut grün hinter den Ohren. Irgendwann wurden wir erfolgreich und entwickelten uns zu Arschlöchern. Als wir in den Neunzigern ganz oben waren, trugen wir die Nasen ziemlich hoch. Ich kann mich noch an meine allererste Begegnung mit Johnny Marr (The Smiths) erinnern. Der Kerl war ein Superstar, aber benahm sich wie ein ganz normaler Mensch. Diese Bodenständigkeit hat mir damals sehr imponiert.

MusikBlog: Du und Brett, ihr kennt euch schon so lange. Was macht eure Beziehung aus?

Mat Osman: Vertrauen. Er ist einfach ein super verlässlicher Typ, der alles stehen und liegenlässt, wenn man ihn braucht. Er gibt dir immer hundert Prozent – nicht nur als Musiker, auch als Mensch.

MusikBlog: Ihr zählt zu den Pionieren der Branche. Aktuell ziehen Oasis Millionen Menschen in ihren Bann. Was hältst du von dem Hype?

Mat Osman: Sie machen das gut. Das große Ganze funktioniert. Und nur das zählt am Ende.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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