Nick Cave And The Bad Seeds spendieren ein Jahr nach dem grandiosen Studioalbum „Wild God“ eine fulminante Live-Version der Platte, die die messegleiche Atmosphäre einer überwältigenden Tour konserviert.
Nach dem Tod seiner Söhne veröffentlichte Nick Cave zwei hoch emotionale, meditative Trauerbewältigungsalben, die den Blick nach innen und vor allem in die dunklen Ecken der Seele richteten. Für die Bad Seeds bedeutete das vor allem leisetreten, zurückhalten und eine diesige Ambient-Atmosphäre schaffen.
Auf „Wild God“ lies Nick Cave dann einigermaßen überraschend seine Bad Seeds wieder lärmen wie lange nicht. Und das überzeugte auf ganzer Linie. Die Tour zum Album geriet zum Triumphzug durch die Arenen. Für die, die dabei waren, dürften die Shows mit zu den besten Liveerlebnissen der letzten Jahre zählen.
Daher wundert die jetzige Veröffentlichung nicht wirklich. Auf 18 Live-Tracks fängt „Live God“ die prophetische Natur dieser unvergleichlichen Shows ein, die – in den Worten Nick Cave’s – „ein Gegenmittel zur Verzweiflung“ waren.
Wenn der Meister aus Down Under fleht, wimmert, oder predigt, dann lässt sich in jeder Sekunde dieser Platte die Energie der Shows nachfühlen, die sich über ganz Europa erstrecken, und nicht nur eindrücklich unter Beweis stellen, wie bombastisch sich „Wild God“ live in Szene setzten lässt.
Sie zeigen auch, in welcher Topform sich die Bad Seeds um Mastermind Warren Ellis präsentieren, wenn sie die Klassiker des Oeuvres – von „Tupalo“ und „From Her To Eternity“ bis „Red Right Hand“ und „Papa Won’t Leave You Henry“ völlig staubfrei mit neuen Nuancen strahlen lassen. Der Sound ist dabei ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
„Live God“ ist das beeindruckende Zeugnis einer außergewöhnlich Konzertreise und neben Radioheads Konzertfunden zu „Hail To The Thief“ die beste Liveplatte des Jahres.
